27 März 2006

Dem Mann sein Job
ist gerade auf n-tv zu sehen. Ziemlich schlimm pathetische Pressekonferenz von arena, die jetzt die Bundesligarechte haben. Premiere ist also raus. Andere Menschen machen jetzt die Kohle.
Dass das da trotz aller Pathetik technisch reibungslos abläuft und alle Filmchen auf den großen Leinwänden laufen - das hat der Mann zu verantworten.




















Ein Mops kam in die Küche...
Sehr schön übrigens auch mein Sonntagsausflug zum Tierfriedhof in Falkenberg, hinter den Plattenbauten von Hohenschönhausen, zusammen mit den InSpeEltern. Die tiervernarrte Menschheit kann einem ganz schön zu denken geben.

Wer kennt eigentlich diese hier so passende Lied noch?:
Ein Mops kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei. Da nahm der Koch den Löffel und schlug den Mops entzwei. Da kamen viele Möpse und gruben ihm ein Grab. Sie setzten einen Grabstein worauf geschrieben stand: Ein Mops kam in die Küche...


Tiertransport

Ich finde ja, dass meine Straße immer wieder einiges zu bieten hat. Ist doch wirklich ein Foto wert, dieser weiße Löwe auf Citrööön. Man könnte fast glauben, der Besitzer will mit aller Gewalt im Netz auftauchen. Wieso sonst sollte man tagelang ein Stofftier auf dem Autodach geschnallt lassen? Das arme Tier ist ja nun auch bestimmt total durchweicht, nach all dem Regen.


Kino 23/06: Das Leben der Anderen
Gleich zum Start, wackelte ich mit der Mitbewohnerin den "Stasi-Film". Da die Mitbewohnerin das ostdeutsche System am eigenen Leib kennenlernen konnte, fühlte ich mich in würdiger Begleitung - Ost-West-Verschwesterung quasi. Film insgesamt sehr gut. Mehr und ausführlicher bei Frau Gröner.
Mir erschiehn die Geschichte an manchen Stellen jedoch fast ein wenig unglaubwürdig. Wieso sollte ein Durch-und-durch Stasimann plötzlich anhand eines konkreten Falles dem System seine Arbeit verweigern? Da aber die Mitbewohnerin, diesen Vorwurf nicht gelten lassen wollte, muss ich mich wohl damit abfinden, dass es eben so war, so, dass ich mir das gar nicht vorstellen kann.
Schauspielerisch ist das Werk übrigens ganz besonders lobenswert. Herr Mühe und die von mir sowieso sehr geliebte Frau Gedeck - wunderbar!
Später in der Kneipe sorgte sich die Mitbewohnerin, was aus ihr wohl geworden wäre, wenn es keine Wende gegeben hätte. Mir und ihr war klar: Über kurz oder lang wäre die Gute mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit im Knast gelandet. Da haben wir schnell noch ein Bierchen gerunken.



17 März 2006

HINGEHEN!
Ausstellungseröffnung im Rahmen der 5. berlin biennale in der Galerie BRIX in der Greifswalderstraße 223 am Freitag, 17.3.2006 ab 19.00 Uhr.
Mit: Carla Åhlander, Henrike Daum, Christoph Dettmeier, Johanna Domke, Mark Formanek, Jan Freuchen, Ingo Gerken (Matthias Meyer), Tarje Eikanger Gullaksen, Stephan Homann, Jakob Jensen, Wolf von Kries, Antonia Low, Stefanie Mayer, Lutz-Rainer Müller, Janine Sack, Stefan Schuster, Thomas Seidemann, Tommy Støckel, Fredrik Stroemsaether, Anke Westermann, Gernot Wieland
und dem unvergleichlichen Matti Blind.
Im Netz bei brixbrix.
Und noch mehr dazu:
Die Ausstellung Ausserhalb Soledad entfaltet sich wie ein Roman in einem Roman oder wie eine Geschichte die in die Realität entschwindet. Diese Geschichte involviert verschiedene Charaktere und Persönlichkeiten und legt deren private Schicksale und universelle Ängste offen.Um diese Spannungen einzufangen und darzustellen, haben die KuratorInnen der 5. berlin biennale als Ausstellungsort eine 'ferne Insel in der Greifswalder Strasse' im Prenzlauer Berg gewählt. (Die Greifswalder Strasse führt in Richtung Mitte, ins Herz von Berlin, wo schon bei vorangegangenen biennalen in der Auguststrasse mit einer Vielzahl ungewöhnlicher Veranstaltungsorte und Ausstellungsräume gearbeitet wurde.)Mit der Wahl nur eines Ausstellungsortes, einer typischen Berliner Altbauwohnung, die sowohl als Beispiel als auch als Archetyp fungiert, bietet Ausserhalb Soledad seinen BetrachterInnen die Möglichkeit einer Vielfalt von Erfahrungen und den Blick über einen, für Berlin so typischen brach liegenden Hinterhof. Gewärmt von drei charakteristischen ostdeutschen Kohleöfen, öffnet die Apartmentinsel ihre Türen zu einem Raum, in dem wir gewöhnlicherweise essen, baden und spielen. Die beteiligten KünstlerInnen sind aufgefordert ihre Arbeiten für einen Raum zu modifizieren, der unser tägliches Dasein definiert: ein privater Wohnraum im zweiten Stock eines unrenovierten Altbaus, eine Spezies, die einst das Stadtbild prägte und heute nur noch selten zu finden ist.Ziel der KuratorInnen ist es, mit der Ausstellung eine Geschichte innerhalb einer Geschichte zu konstruieren, die Nebenpassagen vertieft und die bereits vorhandenen Spuren ihres früheren Selbsts aufgreift und weiterentwickelt. Ausserhalb Soledad ist weder eine Themenausstellung noch vertritt sie eine These: die Ausstellung stellt Fragen über die Absurdität des Lebens, seine Abwegigkeit, seine Schönheit und Zerbrechlichkeit.Mit Bezug auf die von John Steinbeck 1937 verfasste Erzählung "Von Mäusen und Menschen" ? die Geschichte spielt auf einer Farm ausserhalb von Soledad, einer Kleinstadt im ländlichen Kalifornien ? inszeniert Ausserhalb Soledad ein absurdes Theater, in dem Tiere, Menschen und Geister ihre tragischen Rollen spielen: Es ist aber auch ein Tag im Leben der BewohnerInnen Soledads und ein Spaziergang zu dieser entfernten Insel entlang von Orten, die unsere Existenz bestimmen.Die Ausstellung Off Soledad wird mehr als 20 Künstler einbeziehen, die mit verschiedenen Medien und Techniken arbeiten wie Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Rollenspiel und Teambildung. Im Gegensatz zum gegenwärtigen Trend, auf Biennalen die neuesten Talente und Bewegungen vorzustellen, knüpft diese Ausstellung zeitübergreifende Verbindungen durch die Vergangenheit und Gegenwart, statt sich nur auf einen flüchtigen Trend oder Geschmack zu konzentrieren. Der Ort der Ausstellung auf einer entfernten Insel ausserhalb des Herzens der Stadt bringt eine unerwartete Freiheit der Gedanken mit sich und lädt die BesucherInnen auf eine Reise durch zahlreiche Geschichten Berlins ein.In Berlin ist es seit langem üblich, bestehende Gebäude und Strukturen in Veranstaltungsorte für vorübergehende Kunstausstellungen umzufunktionieren ? täglich verwandelt ein/e KünstlerIn seine oder ihre Wohnung in eine Galerie oder eröffnet einen unabhängigen Ausstellungsraum. Aus dieser Erfahrung heraus und dort ansetzend, wo die vorhergehende biennale endete, greifen die KuratorInnen die Besonderheit der Berliner Kunstszene und die einfachen Bedingungen vor Ort für eine inspirierende Erfahrung in einem ungewöhnlichen Kontext auf. Orte wie dieser, sind Segen und Fluch zugleich: Sie bieten spannende und neuartige Veranstaltungsorte für die Präsentation von Kunst, symbolisieren jedoch auch Fehlschläge und Folgen der übermächtigen und hartnäckigen Erinnerung und der Geschichte der Stadt.Die berlin biennale ist die einzige Biennale der Welt, die ihre Schauplätze und Veranstaltungsorte ganz nach den Erfordernissen der Ausstellung ausrichtet. Ausserhalb Soledad wird so zu einer Begegnung, die den Abstieg in die zerklüfteten Spiralen der Zeit vorwegnimmt, zu einer Reise durch Zeit und Raum, die Bestandteil der biennale ist.

Kino 22/06: Ich und Du und alle, die wir kennen
Ein ganz und gar wunderbarer Film von Miranda July. Die Frau hat keines Falls zu Unrecht einen Preis auf dem Sundance Festival gewonnen und die Camera d'Or in Cannes.
Miranda July selbst spielt die Medienkünstlerin Christine, die ihren Lebensunterhalt mit Taxifahrten für Senioren verdient. Sie verliebt sich in den frisch geschiedenen Schuhverkäufer Richard, der mit seinen beiden Söhnen, Robby,6, und Peter,14, zusammen wohnt und noch ein bisschen Angst vor dem Leben hat. Neben der Christine und Richard-Geschichte gibt es auch die Geschichte eines alten Mannes, den Christine mit ihrem Taxi fährt und der sich noch einmal verliebt hat. Und die Geschichte von zwei Mitschülerinnen von Peter, die unbedingt ihren Sexappeal austesten wollen und mit dem Arbeitskollegen von Richard ein bizarres Spiel beginnen, bei dem am Ende alle furchtbare Angst vor der eigenen Courage haben. Außerdem testen sie an Peter ihre Blowjob-Qualitäten. Die Geschichte von Robby, der eine urkomische Internet-Chat-Affaire mit einer Frau anfängt und ihr den unnachahmlichen Satz schickt: You poop into my butt hole and I poop into your butt hole... back and forth... forever. Und es gibt dieses etwa 11-jährige Nachbarmädchen, das sich seine eigene Aussteuer zusammenkauft und davon träumt, eines Tages mit Mann und Tochter einen eigenen Haushalt führen zu können.
Jede dieser Geschichten hat ihren ganz eigenen Charme und Witz. Christine beispielsweise schickt ein Videoband ihrer Arbeit an die Museumsdirektorin. Am Ende des Bandes tritt sie selbst ins Bild und spricht die Direktorin direkt an: "Ich weiß, dass Sie dieses Band sowieso nicht bis hierher sehen werden, insofern kann ich jetzt auch irgendetwas tun. Wenn Sie es aber doch gesehen habe, dann rufen Sie einfach diese Nummer an und sagen nur Makkaroni. Ich stelle keine Fragen, Sie können gleich wieder auflegen. Eingach nur Makkaroni sagen."
Für mich jetzt schon eines der absoluten Filmhighlights des Jahres!

Hier mehr zum Film.

15 März 2006


L'Ange Gardien
Früher einmal, als ich noch jung und voller Elan war, lebte ich in Paris. Das Leben war aufregend. Alle Nase lang passierten tolle Dinge. Man lernte jede Menge neuer Menschen kennen. Auch Polizisten. Also eigentlich nur einen, und von kennen lernen kann auch nicht wirklich die Rede sein. Aber der gute Monsieur de Angelo ist mir bis heute nicht aus dem Gedächtnis entschlüpft.
Die blondeKommilitonin war damals auch in Paris, um kleine französische Schüler mit deutscher Konversation zu nerven. Da die Dame einen gewissen Lebensanspruch hatte, war ihr Auto auch mitgekommen, was ich erst für ziemlich unsinnig, später aber, da sie mich nach Bar- und Kneipenbesuchen mitten in der Nacht in mein entlegenes Zimmerchen fuhr, immer mehr zu schätzen lernte.
Eines Tages, bevor die Kommilitonin in den Schulferien doch lieber mit dem Zug nach Deutschland fuhr, parkte sie in aller Eile und in Ermangelung anderer Optionen das Auto, die Schnautze ragte auf einen Zebrastreifen. Die Ferien waren schön, en Allemegne, man konnte endlich wieder ordentliches Brot essen und musste beim Weggehen nicht mehr so viel Geld ausgeben.
Nach ihrer Rückkehr suchte die Kommilitonin ihr Auto. Vergeblich. Es war einfach weg. Aufgeregt rief sie bei der Polizei an. "Avez-vous ma voiture?" Der Gendarme am Telefon behauptete, er müsste erst mal im Computer nachschauen. Und gab dann die schlechte Nachricht: "Non. Nous ne l'avons pas." Merde! Das Auto war also gestohlen worden und nicht abgeschleppt. Die Versicherung wurde gekündigt, der Papa informiert, der Ärger begann. Uns hinterte es trotzdem nicht daran weiterhin des Abends fröhlich auszugehen. ich übernachtete dann einfach bei ihr.
Doch erst mussten wir noch das Auto offiziell als gestohlen melden, also eine Anzeige aufgeben. Wir machten uns also gemeinsam auf den Weg zum Polizeipräsidium. An der unscheinbaren Tür ohne Schild gingen wir wohl drei Mal vorbei. Als wir die Tür endlich durchschritten hatten, stockte uns der Atem. Man fühlte sich wie auf dem Boden eines Schwimmbeckens, aus dem im Herbst das Wasser ausgelassen war. Kein Tageslicht, nur Neonröhren, alles gekachelt, kein Bild, kein Poster, nichts. Bonjour Tristesse.
Ein freundlicher Polizist wollte sich um uns kümmern. "Ange Guardien" stand auf einem Abzeichen auf dem Oberarm seines blauen Hemdes. "D'Angelo" war vorne draufgestickt. Sein Name. Wie passend, dachte ich noch und dann wusste ich nicht mehr, mit wem er sprach. Noch nie hatte ich jemanden so schielen gesehen. Mit einem Auge fixieret er die Kommilitonen, die ihm den Vorgang in ihrem blumigen Französisch schilderte, für das sie zuvor extra das Wörterbuch gewälzt hattte. das andere Auge war auf mich gerichtet. Zumindest bildete ich mir das ein.
Monsieur D'Angelo ging mit uns in ein etwa drei Quadratmeter großes Kämmerchen, um die Anzeige aufzunehmen. Auf einem kleinen Holztisch stand eine Schreibmaschine, die neben der alten meines Großvaters antiquiert wirkte. Vor dem Tisch ein Stuhl, daneben noch einer. Ich blieb stehen. D'Angelo hackte mit viel Kraftaufwand den langen Nachnamen der Kommilitonin und sämtliche erforderlichen Informationen in die Maschine. Es dauerte ewig. Kein Wunder bei der Schielerei. Später gingen wir einen Crêpe essen, lachten uns kaputt und trauerten um das geklaute Auto.
Diverse Tage später klingelte das Telefon der Kommilitonin. Die Polizei wollte mal nachfragen, wann und ob sie eigentlich irgendwann mal ihr vor Wochen abgeschlepptes Auto abholen wolle, der exklusive Poizeiparkplatz würde schließlich von Tag zu Tag teurer. Die Kommilitonin versuchte sich in einem französischen Wutanfall. Gewundert hat es uns trotzdem gar nicht, nach dem Erlebnis auf der Wache. Wir lösten das Auto kilometerweit hinter dem Boulevard Mac Donald (!) im 20. Arrondissement aus und hatten ab Dato wieder lustige Abende mit voiture. Die rund 30 Pariser Strafzettel, die im Handschuhfach gesammelt lagen, wurden jedenfalls nie bezahlt.

Arme Polizei
Seit neuestem haben wir einen kleinen jugendlichen Grapscher und Belästiger in unserem Kiez. Die Mitbewohnerin und die Nachbarin wurden schon befummelt und angegriffen. Eine äußerst unangenehme Geschichte. Zudem ist der arme Kerl auch noch geistig zurückgeblieben, was das Ganze vielleicht noch unberechenbarer macht.
Die resolute Mitbewohnerin hat sich nach einem Schrecktag an die Polizei gewandt. Erst mal die 110 angerufen, um zu fragen, wie man da so vorgeht. Man will dem Jungen ja nichts Böses, seinen Eltern bescheid sagen, wenn man mal wüsste wo das Bürschchen zu Hause ist.
Nun, die Polizei war am Telefon äußerst hilfsbereit und sprach fast 15 Minuten mit der Mitbewohnerin - die Polizei, dein Freund und deine Labertasche. Quintessenz des Gesprächs: Geben Sie eine Anzeige auf Ihrem zuständigen Polizeipräsidium auf.
Das zuständige Präsidium befindet sich aber nicht, wie man vielleicht denken könnte wenige Straßen entfernt, sondern rund 6 U-Bahnstationen weit weg. Dort angekommen wurde die Mitbewohnerin von der archaischen Atmosphäre, die auf dem Amt herrschte, ein wenig überrascht. Computer? Weit gefehlt. Nicht mal eine Schreibmaschine gab es. Der Beamte war nur mit einem weißen Blatt Papier und einem kaum schreibenden Kugelschreiber ausgestattet, um die Anzeige entgegen zu nehmen. Womöglich kommt das Papier nun in einen Karteikasten in einem großen Stahlschrank.
Dass irgendjemand auf diesen Fetzen Papier reagieren wird, ist im Zeitalter von fetten Internetleitungen, Flachbildschirmen und Spammails kaum vorstellbar. Dass die überhaupt arbeiten können, so ganz ohne moderne Technik, fragt man sich als Heavy-Computer-User. Soll man die polizei nun bemitleiden, auslachen oder beneiden?
Erinnert mich jedenfalls an eine andere abstruse Polizeigeschichte. Damals in Paris....

14 März 2006

Rosaschwarz
Manchmal ist ja alles nicht ganz so rosa, wie es erst scheint. Gott sei Dank kommt bald der Frühling.
Was ist eigentlich der günstigste all-inclusive Telefon-Internet-Anschluss für Zuhause?

11 März 2006

Im Märzen der Bauer...
Winter is back. Es schneit, alles ist weiß und obwohl man endlich Frühling haben möchte, ist es irgendwie ganz hübsch.

08 März 2006


Literatur 4/06: Ein Jahr
Kurzer Roman von Jean Echenoz. Ich habe den ersten Absatz gelesen und musste das Buch haben. Victoire wacht eines Morgens neben ihrem Freund Félix auf. Er ist tot. Sie kann sich an nichts erinnern, zieht sich an, geht bei der Bank vorbei, nimmt ein Taxi und fährt zum Bahnhof Montparnasse, um einen Zug zu besteigen. So muss man wohl mit einer Leiche in seinem Bett umgehen. Dieser bizarre Anfang erinnerte mich irgendwie an die Geschichten von Javier Marias, den ich ja sehr liebe. Victoire jedenfalls fährt einfach weg. Lebt im darauffolgenden Jahr von ihrem Ersparten, was imer weniger wird. In den letzten Monaten ist sie obdachlos und muss betteln gehen. Sie verwarlost immer mehr. Doch jedes Mal, wenn es gar nicht mehr weiter zu gehen scheint, taucht ein Freund, Louis-Philippe, aus dem Nichts auf. Am Schluss geht Victoire zurück nach Paris und alles ist ganz anders als gedacht.
Schönes, schnell zu lesendes Buch mit einem extrem coolen Anfang und einer überraschenden Wendung am Schluss, die ein wenig verwirrt. Aber genau das macht den Charme dieses Buches aus.
Frauentag
Heute ist famoser Frauentag. Und was habe ich davon?

07 März 2006

Oscar
Ich gehe furchtbar gerne ins Kino. Das versteht ja so mancher ganz und gar nicht, was nicht weiter schlimm ist, schließlich hat jeder so seine Vorlieben. Ich verstehe zum Beispiel null überhaupt gar nicht, wie man mitten in der Nacht aufstehen kann, um sich die Oscar-Verleihung im Fernsehen anzuschauen. Es ist mir so grottenegal, welches Starlet welches Kleid trägt und wie sie alle zusammen darin aussehen. Und nur weil ein Schauspieler oder ein Film einen Oscar bekommen hat, fand ich den Film noch nie gut, eher das Gegenteil war bisher immer der Fall. Ich finde auch die Goldenen Bären, Palmen und sonstigen Preise nicht immer besonders gut verteilt.
Bah! Dieses "ich mache eine tiefe Verbeugung vor den großen amerikanischen Stars" finde ich einfach langweilig. Ich kann die Begeisterung dafür nicht nachvollziehen. Aber das sagte ich ja schon.

02 März 2006

Ich lach mich kaputt!


von hier

Literatur 3/06: Unter Wasser atmen
Kurzgeschichten von Julie Orringer. Wunderbare Geschichten über Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Keine öden Teeniegeschichten, sondern einzeln herausgegriffene Begebenheiten im Leben der jeweiligen Hauptpersonen, die eine Wende in deren Leben markieren. Zwei Schwestern sehen zu, wie auf einer Party, auf der ihre krebkranke Mutter und sie eingeladen sind, der Sohn des Gastgebers seine Schwester auf den Baum hinauf lockt und sie so lange ärgert bis sie das Gleichgewicht verliert, abstürzt und reglos am Boden liegen bleibt. Oder die Geschichte von Maddy, die mit im Auto saß als die Freundin ihres Bruders einen Unfall baute und mit ihrem Auto im See ertrank. Das mädchen konnte sich befreien, der Freundin jedoch nicht helfen. Nun hat sie panische Angst vor Wasser und ihr Bruder ist unfassbar gemein zu ihr. Doch sie soll zusammen mit ihm einen Tauchkurs absolvieren. Auf irgendeine Art und Weise, jede für sich, lernen die Mädchen unter Wasser zu atmen.
Keine Lustigen Geschichten, alles ist irgendwie tragisch-melancholisch und doch leicht schwebend. Mir hat die Stimmung, die Orringer verbreitet gefallen. Sehr schön, sehr empfehlenswert!

Kino 21/06: Dark Horse
Dänisch-isländischer Film von Dagur Kari, der auch schon "Noi Albinoi" gedreht hat. Melancholisch-komischer Film. Sehr zu empfehlen. Schon wegen der ersten Szene auf dem Arbeitsamt. Daniel zum Arbeitsvermittler: "Sie haben gerade von Brutto- und Nettolöhnen gesprochen. Und sehen, da fängt das bei mir schon an: Ich verstehe einfach nicht, was das ist." Daniel lebt als Graffitykünstler in den Tag hinein. Eines Tages verlieben sich er und sein bester Freund "Opa" in das selbe Mädchen. Opa ist extrem dick, passionierter Fußballschiedsrichter, der gerade seine Prüfungen absolviert, und arbeitet in einem Schlafforschungsinstitut. Francesca, genannt Frank, verliebt sich in Daniel, was ihm einige Probleme mit Opa beschert. Doch der landet unverhofft mit Franks Mutter im Bett. Als Frank schwanger wird, hat Daniel ein weiteres Problem.
Go and see it!

28 Februar 2006

HEY!
Kann dieses Geschneie jetzt eigentlich bitte endlich mal aufhören?! Es soll jetzt warm werden! Nicht gleich heiß. Einfach nur wärmer! Los jetzt!

Literatur 2/06: Meine Sonntage mit Sabine Christiane
Jaja, buchmäßig ein wenig dürftig fängt dieses Jahr an. Aber durch dieses Buch von Walter van Rossum "Meine Sonntage mit Sabine Christiansen" habe ich mich einw enig durchgequält. Und deshalb hat es so lange gedauert, auch wenn es eigentlich ganz dünn ist. Der Mann will die Christiansen-Sendungen auseinander nehmen, wozu wirklich jeder Mensch jedes Recht hat. Man kann wirklich kaum ein gutes Haar an diesen Sendungen lassen. Außer vielleicht an der, als Sabine betrunken war, aber ich habe sie immer noch nicht gesehen. (Was eine kleine Aufforderung an die Dame sein soll, die besagte Sendung auf Video hat und sie im Kreise ihrer Journalistenfreunde immer mal wieder anschaut - bizarrer Journalistenhumor -, mir die Kassette mal mitzubringen.) Aber außer zu erzählen, welche Langweiler und Labersäcke bei Frau Christiansen immer zu Wort kommen und was die eigentlich sagen müssten, aber lieber nicht tun, fällt Herrn van Rossum auch nicht viel ein. Nix Analyse. Dumm nur, dass er genau das der Sendung vorwirft.
Ich lese jetzt lieber wieder schöne Bücher. Mit dem nächsten bin ich gleich schon wieder durch und kann bestimmt Ende der Woche davon begeistert berichten.
Auch gut
Wenn man falsch zitiert wird, kommt ja manchmal was viel Besseres raus. Überhaupt macht das der Herr Blank ja gerne, einfach behaupten, ich hätte Sachen gesagt, die ich so nie gesagt habe. Ist aber eben nie schlimm, weil es seltenst schlechter wird. Ich bin eben sein Stichwortgeber. Ha!

27 Februar 2006

Niedliche Nachtschwärmer
Habe am Freitagabend eine lustige Szene beobachtet. Es war noch gar gar nicht so spät. Halb eins wahrscheinlich. Auf dem Nachhauseweg kamen wir an einer Dreiergruppe vorbei. Ein Typ saß auf einer Bank, den Kopf in den Händen zwischen den Knien. Es schien ihm nicht so gut zu gehen. Neben ihm saß eine Frau (A), vor den beiden stand noch eine Frau (B).

Frau A: Was meinst du, sollen wir wieder ein paar Schritte gehen? Schaffst du das?
Typ, schüttelt leicht den Kopf: Nein noch nich.
Frau B: Na komm, wir stützen dich, und du darfst auch auf mich draufkotzen, wenn du magst.

Irgendwie rührend, oder?

24 Februar 2006


Fasching
Ich bin ein richtiger Faschingsmuffel. Müsste ich in Köln oder einer ähnlichen Stadt wohnen - es wäre entsetzlich. Und ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe schon mal in Kontanz gewohnt und da liebt man ja auch die Fastnacht. Uiuiui. War das immer anstrengend. Meine Vermieter waren immer voll dabei. Tagelang traf man sie nur in ihren Bärenfellen, die Gesichter hinter furchterregenden Holzmasken versteckt. Voller Stolz wurde mir jedes Jahr das neueste Kostüm präsentiert - und auch nie vergessen darauf hinzuweisen, wie unendlich teuer das wieder war. Ein echter Fastnachter hat nämlich für jeden Tag ein anderes Kostüm. Und dabei handelt es sich nicht um Cowboy-, Indianer- oder Clownsverkleidungen. Traditionelle Dinge sind da gefragt, echte, handgeschnitze Holzmasken etc.. eben Man kennt das ja aus der Schweiz und überhaupt dem ganzen allemannischen Raum. Jedenfalls war rund um die närrischen Tage jeder Bus total überfüllt mir närrischen Leuten in närrischen Kostümen, die närrisches Verhalten an den Tag legten.
Am Faschingsdonnerstag findet in Konstanz traditionell der "Hemdglonkerumzug" statt. Wer an diesem Tag nicht im Nachthemd durch die Stadt zog, machte sich verdächtig. Eines Abends wollte ich in Unkenntnis der örtlichen Begebenheiten mit Freundinnen eine Pizza essen gehen. Es war die Zeit, als mein Kleiderschrank zu 100 Prozent mit schwarzen Klamotten bestückt war. Der meiner Freundinnen übrigens auch. Nun stelle man sich vor, wie wir drei niedlich-arrogante Germanistikstudentinnen in ihren schwarzen Klamotten, mindestens eine der drei trug immer einen extem kurzen Rock oder einen extrem tiefen Ausschnitt, durch das Meer der weißen Nachthemdträger schwammen. Erst dachten wir noch, was solls, wir sind ja gleich beim Italiener. Doch dort war es wirklich keinen Deut besser. Wir saßen wie die schwarzen Schafe, wie eine Pestbeule der Gesellschaft, an unserem Tischchen, um uns herum johlende Nachthemden jeden Alters. So schnell waren wir in unseren Studentenzeiten nie zuvor und auch danach nie wieder zu Hause. Traumatisierend!
Und von Wortschnittchen inspiriert, hier die Liste meiner Faschingskostüme aus Kindertagen:
Clown, Prinzessin, Indianerin, Schornsteinfeger, Schneeflocke, Marienkäfer, Pippi Langstrumpf, türkischer Sultan, Hexe, Zigeunerin und später Meerjungfrau (selten so sexy gewesen wie in diesem hautengen, quieschgrünen Schlauch) und Beduine. Und was weiß ich noch alles. Bis auf Clown und Indianerin war jedes Kostüm von Mama oder mir selbst genäht oder aus Papas Kindertagen geerbt. Damals war das lustig. Wie sich allerdings erwachsene Menschen mit Freude verkleiden und sich zum Affen machen, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. Aber ich boykottiere ja auch schon Mottopartys.

22 Februar 2006


Ah, geh.
Das ist doch eklig. Sowas mag doch keiner trinken.
Rentenendlösung
Bin ich viel zu sorglos oder naiv, weil ich es für eine totale Übertreibung und Panikmache halte, dass man jetzt sogar davon spricht, wegen der Vogelgrippe die Fußball WM abzusagen? Bei BSE war klar, man kann es schon längst haben, aus bösem Konservenfleisch. Die Ravioli aus der Dose, die ich vor Jahrzehnten ab und zu mal gegessen habe, etwa. Aber in dem Moment konnte man sich schützen: Kein Fleisch mehr essen, oder nur beim Biofleischer kaufen. Gammelfleisch ist zwar eklig, aber angeblich ja nicht gesundheitsgefährdend, wenn es gebraten oder gekocht ist. Und nun der Vogelgrippebraten und alle flippen aus. Also auch hier heißt es wieder gebraten oder gekocht ist das Fleisch nicht gefährlich. Nur wer mit dem Viehzeug zusammen wohnt, könnte sich anstecken, so wie das in Ostanatolien vor ein paar Wochen vorkam. Ich mache mir also keine Sorgen, denn ich halte weder Hühner in meiner Wohnung noch füttere ich Schwäne oder Tauben. Um Tauben mache ich in der Regel sowieso einen großen Bogen, weil ich die auch ohne Grippe schon reichlich eklig finde.
Es kann also nur noch sein, dass der Virus mutiert und damit auch für den Menschen gefährlich wird. Doch auch dann müssten die Wissenschaftler innerhalb von spätestens zwei Monaten einen Impfstoff gefunden haben. So schnell werde ich nicht krank.
Und wenn ich jetzt mal ganz besonders zynisch werden darf: Zuerst rafft es ja meist die Rentner dahin. Und darauf freut sich doch Deutschland. Endlich entspannt sich die Lage der Rentenversicherungen. Um die betroffenen Kinder wäre es allerdings Schade, schließlich haben wir sowieso zu wenig. Aber da sie eh viel zu schlecht ausgebildet werden würden (siehe neuester UN-Bericht), ist es vielleicht auch nicht ganz so furchtbar. Also: Wenn denn der Vogelgrippevirus mutiert, dann kann er Deutschland nur helfen.
Bis es aber so weit ist, will ich nix mehr davon hören!

21 Februar 2006


ARGH!
Es ist passiert wovor ich mich den ganzen Winter gefürchtet habe: Ich habe meine Handschuhe verloren. Nun könnte man sagen, naja, ist ja fast schon Frühling. Ich bin aber empfindlich an den Händen und hasse es, wenn die kalt und klamm sind. Außerdem hänge ich an jedem Paar. Auch wenn ich sie bisher alle irgendwann verloren habe. Ich weiß gar nicht, wie es diesmal passieren konnte. Auf dem Rückweg vom Konzert in der Philharmonie (schöne Tschaikowsky-Symphonie gehört, übrigens) las ich ein Buch in der Bahn (über das ich mich gerade ein wenig ärgere und das jetzt endlich ausgelesen sein muss). Wahrscheinlich habe ich dafür die Handschuhe ausgezogen. Womöglich habe ich sie einfach auf meine Tasche gelegt und beim Umsteigen nicht festgehalten und daher verloren. Oder ich habe sie in die Manteltasche gestopft und da sind sie dann rausgefallen. Oder ein böser Jemand hat sie mir einfach aus der Tasche gezogen und erfreut sich nun an meinen schwarzen Lederhandschuhen und ich muss frieren. Es ist schrecklich.
Der einzige Trost: Ich habe mal wieder einen Grund in meinen (und den meiner Oma) Lieblingshandschuhladen in München zu gehen und neue Handschuhe zu kaufen. Doch ach, das wird erst kurz vor Weihnachten wieder der Fall sein. Es ist zu traurig. Wieso passiert das immer wieder? Steckt die Handschuhindustrie dahinter? Wieviele dieser Dinger habe ich schon im Einkaufswagen, in der U-Bahn, im Zug, im Café liegen gelassen? Und wer trägt sie jetzt?
Vorbei!
Sie ist vorbei die Berlinale. Sehr Schade finde ich das, auch wenn Nicht-Cineasten das nicht nachvollziehen können. Mein herzlichster Dank geht an die lieben akkreditierten Freunde, die mir so viele Karten besorgt haben! Zwischenzeitlich dachte ich, nach der Berlinale kann ich drei Wochen nicht mehr auf eine Leinwand starren, aber man erholt sich schneller als gedacht.
Mein Lieblingsberuf: professioneller Kinogänger. Ich finde, ich kann das ziemlich gut, ins Kino gehen. Jetzt ist die Leinwand wieder bildschirmklein, nichts bewegt sich außer dem Mausanzeiger und der Bürostuhl ist auch nicht mehr oder weniger bequem als der Kinosessel.
Ab jetzt gibts wieder normale Blogeinträge.
Kino 20/06: Mechilot (Forgiveness)
Israelischer Film von Udi Aloni. Vergebung. Es geht um die Geschichte Israels, um den Zustand, um die Menschen. Ein junger israelischer Soldat, der in den USA aufgewachsen ist, hat nach einem Zwischenfall eine schwere Psychose und wird in einer Anstalt behandelt, in der auch ehemalige KZ-Häftlinge wohnen. Langsam, mit vielen verwirrenden Zeitsprüngen, Einschüben und Traumsequenzen entwickelt sich die Geschichte. David hat wohl ungewollt ein palästinensisches Mädchen erschossen. Darüber kommt er nicht hinweg, auch wenn er sich gar nicht richtig erinnern kann. Zurück in den USA verliebt er sich ausgerechnet in eine Palästinenserin, deren Kind dem erschossenen Mädchen sehr ähnlich sieht. Langsam kommt die Geschichte in ihm wieder hoch.
Mir hat der Film ganz gut gefallen. Ein bisschen was Kusturica-haftes hatte der Film. Ich mag israelisches Kino.
Kino 19/06: Offside
Iranischer Wettbewerbsbeitrag von Jafar Panahi. Ha! So muss ein iranischer Film sein. Mit Laiendarstellerinnen hat Panahi den Film gedreht. Er spielt während des Qualifikationsspiels zur Fußball WM in Deutsch Iran gegen Bahrain. Auch in Teheran interessieren sich Frauen für Fußball. Doch sie dürfen nicht ins Stadion, wegen der Flüche und der fremden Männer, wie es heißt. Einige Mädchen hintert das nicht daran, trotzdem hin zu gehen. Irgendwie schmuggeln sie sich alle rein. Ein paar werden gefasst und hinter der Zuschauertribüne festgehalten. Doch sie kennen keine Angst. Mit allen Mitteln versuchen sie die Soldaten zu überreden, sie gehen zu lassen, oder ihnen wenigstens das Spiel zu kommentieren. Als das erste Tor für Iran fällt ist der Jubel groß. Im Bus auf dem Weg zum Polizeikommissariat endet das Spiel mit 1:0 für Iran. Die Stadt feiert den Sieg, der Bus wird angehalten, die Mädchen können feiernd entkommen. Zur Premiere des Films konnte keine der Frauen nach Berlin reisen!
Mir hat der Film sehr gut gefallen: schlau und komisch. Hoffentlich kommen die Iraner bei der WM ein paar Spiele weiter.
Kino 18/06: Candy
Australischer Wettbewerbsfilm von Neil Armfield. Phu. Tragische Geschichte, aber wunderschön erzählt. Man wird direkt in den Strudel der Beziehung zwischen Candy und Dan mit hineingezogen. Dan nimmt Drogen, Candy auch. Warum es so kam, wird nicht erklärt, ist auch nicht wichtig. Doch beide scheinen noch am Anfang ihrer Karriere zu stehen. Sie lieben sich abgöttisch. Durch Dan gerät auch Candy immer tiefer in den Strudel. Physisch wie psychisch geht alles den Bach runter. Candy beginnt sich zu prostituieren, um das Geld für die Drogen zu beschaffen. Doch ihrer Liebe tut da keinen Abbruch. Candys Eltern sehen die Katastrophe zwar kommen, sind jedoch machtlos. Dan und Candy heiraten. Irgendwann wird Candy schwanger und es ist klar, sie müssen aufhören, Heroin zu nehmen. Offensichtlich viel zu spät und ganz alleine beginnen beide mit dem Entzug. Sie durchleiden physische Höllenqualen. Candy muss ihr Kind tot zur Welt bringen. Es ist der Horror für beide. Gemeinsam halten sie das tote Kind in ihren Armen. Sie ziehen aufs Land, um den Drogen zu entfliehen. Doch richtig gut tut ihnen auch das nicht. Candy dreht durch, bekritzelt sämtliche Wände mit der Geschichte ihrer Beziehung und wird in die Psychatrie eingeliefert. Candys Vater macht Dan klar, dass es nun reicht und Dan versteht. Er wartet, bis Candy aus der Entziehungsklinik kommt, er hat sie schrecklich vermisst. Doch als sie wieder da ist und ihn immer noch liebt, schickt er sie zu ihrem Schutz weg. Er weiß, trotz Liebe, tut er Candy nicht gut. Und sie weiß es auch, denn sie geht zwar mit Tränen in den Augen, aber ohne den versuch gemacht zu haben, ihn umzustimmen.
Zum Heulen tragisch. Eine wunderbare Liebesgeschichte, eine schrecklliche Drogengeschichte.
Kino 17/06: Isabella
Wettbewerbsfilm aus Hongkong von Pang Ho-Cheung. Der Film spielt kurz vor der Übergabe Macaos an China. Portugiesisches Essen ist verpönt. Der Polizist Shing hat ein paar Probleme in seinem Job. Das hindert ihn jedoch nicht daran, ständig irgendwelche blutjungen Mädels mit nach Hause zu nehmen. Eine von ihnen eröffnet ihm am nächsten Morgen, dass sie seine Tochter ist. Sie quartiert sich bei ihm ein und langsam kommen die beiden sich näher. Wie es ausging, ob die Tochter ihren vermissten Hund Isabella wiedergefunden hat, konnte ich leider nciht mehr sehen, weil ich dringend zum nächsten Film düsen musste. War aber trotzdem ganz nett gewesen.
Kino 16/06: No.2
Neuseeländischer Film von Toa Fraser. Die Großmutter kommt von den Fidschi-Inseln. Sie ist ein wenig herrisch und vom Leben, insbesondere von ihren Kindern, enttäuscht. Doch nun will sie eine Party, eine richtig gute, lustige Party, nur mit ihren Enkelkindern. Außerdem will sie ihren Nachfolger bestimmen und das Haus vererben. Die Enkel haben reichlich wenig Lust auf so eine Party. Sie sind damit beschäftigt ihr Leben zu führen und so gerne sie ihre Großmutter auch haben, sie wollen sich nicht ständig ihr gegenüber verteidigen. Doch die Vorbereitungen laufen an. Der Lieblingsenkel taucht mit seiner neuen englischen Freundin auf, die ganz begeistert von der Oma ist. Ein Schwein muss geschlachtet werden und die Eltern müssen sich versöhnen und auch zur Party kommen. Es wird ein rauschendes Fest an dessen Ende die Großmutter friedlich stirbt, denn alles ist doch noch zu ihrer Zufriedenheit geregelt worden, die zerrissene und leicht verstrittene Familie hat sich wieder gefunden.
Ein wirklich sehr schöner Film über Sinn und Unsinn von Familie und Traditionen. Und: Mal was anderes als Herr der Ringe aus Neuseeland.
Kino 15/06: Les Oiseaux du Ciel
Von Eliane de Latour. Zwei Liberianer haben sich nach Spanien geflüchtet, um das große Geld zu machen. Einer von ihnen wird geschnappt und zurück an die Elfenbeinküste geschickt. Der andere schlägt sich nach Paris durch. Der Film zeigt nun die unterschiedlichen Leben der beiden Freunde in Afrika und Europa. Der eine schämt sich, ohne einen Pfennig zurück zu kommen. Alle erwarten, dass er jetzt die Familie durchbringen kann, doch das kann er eben nicht. Er will zurück, es noch einmal versuchen. Gleichezeitig versucht er die Menschen zu Hause davon zu überzeugen, dass Europa nicht so toll ist für einen Afrikaner, wie alle glauben. Und er beginnt den westlichen Einfluss auf Afrika immer kritischer zu sehen. Ein befreundeter Designer soll lieber seine eigenen Kreationen schneidern, als amerikanische Sachen zu kopieren; eine Entwicklungshelferin sollte das Geld lieber dem Designer geben, als den Kindern die Tshirts aus Amerika mitzubringen. Er wird richtiggehend radikal, verkauft seine eigenen westlichen Klamotten, läuft nur noch in afrikanischen Sachen rum. Doch es gibt keine Lösung, er muss zurück und Geld machen, um sein Ansehen wieder zu steigern.
Derweil hat es sein Freund in der Pariser Illegalität auch nicht einfach. Er muss erkennen, dass man mit ehrlicher Arbeit nicht weiter kommt. Doch zuerst versucht er es mit legalen Mitteln. Er freundet sich mit einer Französin an, sie bietet ihm an zu heiraten, obwohl sie lesbisch ist. Doch soweit kommt es nicht. Er macht sich Feinde im Quartier, weil er sich den Regeln nicht anpassen will. Seine Freundin wird überfallen und getötet, er selbst schlimm verprügelt. Schlussendlich macht er doch noch mit beim organisierten Autoklau, verdient eine Menge Geld und kommt als gemachter Mann zurück nach Afrika.
Hat mir sehr gut gefallen, weil die Geschichte die afrikanische Vorstellung von Europa so klar gemacht hat und den Finger genau auf die Wunde gelegt hat: Europa ist nicht das Paradies, auch wenn man das in Afrika nach wie vor glaubt, und ohne Kriminalität geht eigentlich gar nichts, wenn man illegal im Land ist.
Kino 14/06: El Triunfo
Spanischer Mafiafilm von Mireia Ros. Gute Mafiageschichte, niedliche Schauspielergesichter. Nan will Sänger werden, Flamencosänger. Gemeinsam mit seinen drei Freunden macht er nichts anderes wie Musik und Tanzen. Manchmal übernimmt er auch einen Job für den örtlichen Mafiaboss "Ghandi". Sein Vater ist schon seit Jahren verschwunden, seine Mutter redet nicht darüber. Nan verliebt sich in Suzie, die neu in dei Stadt kommt. Doch dann wird er von einem anderen Typen ausgebootet, der Sohn eines engen Freundes von Ghandi. Doch der intrigiert, wo es nur geht. Macht gemeinsame Sache mit der verfeindeten Arabergang, die das Virtel mafiatechnisch übernehmen will. Nan soll immer der Sündenbock sein. Doch Ghandi vetraut Nan mehr als dem liedrlichen Sohn seines Freundes. Eines Tages taucht Nans Vater auf, verrät ihm ein Familiengeheimnis, vermacht ihm viele Songs (er war auch Flamencosänger) und stirbt. Plötzlich fällt noch mehr Verdacht auf Nan, denn er weiß jetzt, dass seine Mutter ein Verhältnis mit Ghandi hatte, um ihrem Mann einen Plattenvertrag zu ermöglichen. Ghandi hat Angst vor nan, der anfängt durchzudrehen. Der richtige Zeitpunkt für den Verräter, alles nach seinem Plan zu organisieren. Es gibt jede Menge Missverständnisse, viele Tote, doch zum Schluss ist klar, Nan ist unschuldig, auch wenn er einfach abgetaucht ist.
Nichts Besonderes, aber ganz nett.
Kino 13/06: Shisso (Dead Run)
Japanischer Film von Sabu. Ich hatte versucht danach zu erzählen, worum es geht, aber es war mir nicht möglich. Die Geschichte ist tatsächlich voller Geheimnisse. Shuji interessiert sich für den Mörder, der mit seiner Freundin im anderen Stadtviertel wohnt. Der Kriminelle ist sehr nett zu ihm. Eines Tages wird er gefoltert und tot aufgefunden. Jahre später zieht ein Preister in das Viertel und eröffnet eine Kirche. Auch er soll ein Mörder sein. In der Kirche lernt Shuji ein Mädchen kennen, gemeinsam gehen sie joggen. Das Mädchen ist Waise, ihre Eltern haben Selbstmord begangen. Shujis Bruder zündet Häuser an und kommt ins Gefängnis, sein Vater verschwindet daraufhin spurlos. Irgendwann ist auch seine Mutter nicht mehr da, Shuji ist plötzlich ganz alleine. Als auch das Mädchen weg ist, macht er sich auf die Suche nach ihr in Tokio. Dort trifft er die Gangsterbraut von früher wieder, hat mit ihr seinen ersten Sex und wird später von ihrem neuen Mann schwer misshandelt. Er versucht sich zu wehren und den Kerl umzubringen, scheitert aber. Schlussendlich übernimmt die Gangsterbraut den Mord. Shuji haut ab. Der Mord hat ihn traumatisiert, ebenso das Treffen mit dem Bruder des Priesters, der im Gefängnis sitzt, weil er seine Freundin und deren gesamte Familie umgebracht hat, als er erfuhr, dass sie ihn mit seinem Bruder betrogen hatte. Er trifft das Mädchen aus der Kirche wieder. Sie versuchen sich gegenseitig Halt zu geben. Als der Onkel des Mädchens auftaucht, der sie früher missbraucht hat, bringt Shuji den Mann um. Auf der Flucht flippt er völlig aus, rennt mit gezogenem Messer auf die Polizisten zu und lässt sich erschießen. Das Schlussbild zeigt den Preister vor seiner Kirche mit einem kleinen Jungen, offensichtlich der Sohn der Gangsterbraut und Shuji, und das Mädchen. Alle wohnen zusammen.
Aussage, Sinn und Zweck mal außer Acht gelassen: Ich fands schön gefilmt. Hat mir gefallen. Und das ist ja das Wichtigste.
Kino 12/06: Zemestan (It's Winter)
Iranischer Film von Rafi Pitts. Ich hatte mir einiges versprochen. Iranisches Kino verbinde ich mit Kariostami und Makmalbaf. Doch dieser hat mich nicht so überzeugt. Es geht um eine Frau, deren Mann die Stadt und seine Familie verlässt, um woanders, im Ausland Arbeit zu finden, geld zu verdienen. Doch er kommt nicht wieder, schickt kein Geld, man sagt, er sei tot. Als ein anderer Mann kommt, der die Frau umwirbt, heiratet sie ihn. Doch der Neue ist ein Abenteurer und Aufwiegler, beschwert sich ständig über die Arbeitsbedingungen in der Autowerkstatt. Natürlich kriegt der Neue bals einen Rappel, will nach Europa, Geld verdienen. Er haut ab. In dem Moment taucht der erste Mann wieder auf. Er läuft auf Krücken, hat nur noch ein Bein. Nach Hause traut er sich nicht, obwohl der andere jetzt weg ist.
Vielleicht hab ich's auch nur nicht so recht verstanden. Aber ich habe auch schon schöner Gefilmtes aus dem Iran gesehen.
Kino 11/06: 4:30
Film von Royston Tan aus Singapur. Um halb fünf wacht der Elfjährige immer auf. Dann geht er rüber ins Zimmer des 30-Jährigen. Der ist nachts nie zu Hause. Der Junge untersucht das Zimmer, betrachtet die Sachen des Großen, legt sich auf sein Bett. Er ist ganz alleine, seine Mutter hat offensichtlich in China zu tun und hat ihn dort in der Wohnung bei dem Typen gelassen. Der nimmt unablässig Valium und trinkt viel zu viel. Einmal ist ihm so schlecht, dass er einfach in die kleine Lampe kotzt, die auf seinem Nachttisch steht. Alles beobachtet der Junge, versucht irgendwie seine Aufmerkasamkeit zu erringen. Er ahmt den Großen nach. Lässt sich beim Arzt Medikamente verschreiben. Jeden tag trinkt er eines der Medizinfläschchen aus, bis er am Schluss ständig ohnmächtig wird. Er beginnt dem Großen jeden Morgen ein Glas Orangensaft vor die Tür und eine koreanische Instantsuppe auf den Tisch zu stellen. Doch nie reden die beiden miteinander. Nicht einmal als der Kleine dem Großen ins Badewasser pinkelt, spricht der mit ihm. Die Einsamkeit wird immer größer und schier erdrückend für den Zuschauer. Am Schluss bleibt das Glas Saft unberührt und als der Junge sich endlich traut, die Tür aufzumachen, ist der Mann einfach verschwunden. Er hat die Bettwäsche fein säuberlich gefaltet auf dem Bett zurückgelassen. Und der Junge ist noch einsamer als zuvor. Heulend sitzt er am Boden.
Die Asiaten haben wirklich einen Sinn für schlicht dargestellte Tragik. Aber nach Action-Vergewaltigung mal wenigstens eine andere Art von Tragik. Diese Berlinale geht an die Substanz.

20 Februar 2006

Kino 10/06: Der freie Wille
Diese Berlinale würde hart werden, das war spätestens nach diesem Film klar. Schon wieder Vergewaltigung. Schon wieder Dauer-Onanieren. Und das drei ganze Stunden! Über diesen Film habe ich bisher am meisten diskutiert: Darf man überhaupt einen Film über einen vergewaltiger drehen? Ist das Vorhaben gelungen oder nicht? Ich kann all das immer noch nicht beantworten. Ein wenig hilflos stehe ich immer noch davor. Dass ich die Elementarteilchen nicht gut finde, wird mir immer klarer, aber bei diesem Film kann ich mich einfach nicht entscheiden. Der Film von Matthias Glasner wird in die Kinos kommen und er wird mit Sicherheit ein Erfolg. Trotz der drei Stunden und trotz des Themas oder gerade deswegen. Und wegen Jürgen Vogel. Der Mann zeigt alles - wirklich alles - was er physisch zu bieten hat.
Ich finde, dass die lange, vieldiskutierte, extrem brutale Anfangsvergewaltigungsszene noch ihre Berechtigung hat, doch dann wird es an vielen Stellen einfach zu lange. Der psychopathische Vergewaltiger kommt nach neun Jahren aus der Heilanstalt, findet einen Job und verliebt sich. Doch er merkt auch, dass er nach wie vor diesen Drang nach Sex, nach Vergewaltigung hat. Seine neue Freundin weiß von all dem nichts. Und als sie es erfährt, wird sie physisch für ihn bestraft. Er ist einem nicht unsympathisch, dieser Typ, aber echtes Mitleid mit ihm kam bei mir auch nicht auf. Und das ist womöglich das Positive an diesem Film.
Zwiespältig, interessant, zu lange, vielleicht doch überflüssig.
Kino 9/06: Grbavica
Der Wettbewerbsfilm der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic. Eine sehr bewegende Geschichte einer Frau, die im Jugoslawienkrieg in einem Lager in ihrem Stadtteil Grbavica in Sarajevo interniert war und vergewaltigt wurde. Ihr heute rund 13jährige Tochter will mit auf Klassenfahrt. Die Mutter muss dafür 200 Euro bezahlen, Geld das sie als Alleinerziehende nicht hat. Also verdingt sie sich zusätzlich als Bedienung in einer Disko. Um ihr Kind und sich selbst zu schützen hat sie ihrer Tochter erzählt, dass der Vater ein Kriegsheld sei. Doch wenn dem so wäre, würde ein simples Dokument über den Vater reichen, umsonst mit auf Klassenfahrt zu können. Die Dinge spitzen sich zu, denn die Tochter fragt immer häufiger und intensiver nach ihrem Vater. Auf ihre Frage "was habe ich von meinem Vater?" antwortet die Mutter hilflos "deine Haarfarbe". Und als sie zum Schluss an der Wahrheit nicht mehr vorbei kommt und der Tochter eingesteht, dass sie das Ergebnis monatelanger Vergewaltigungen ist, rasiert diese sich die Haare ab.
Es geht um die Geschichte bosnischer Gefangenen und um die Frage, ob man ein Kind aus einer Vergewaltigung trotzdem lieben kann. Man kann. Zbanic hat den Goldenen Bären sicher ein wenig überraschen bekommen, aber auf keinen Fall unverdient. Sobald er im örtlichen Kino läuft: ansehen!

13 Februar 2006

Kino 8/06: Elementarteilchen
Ich mag Oskar Roehler nicht besonders. Und auch das Buch von Michel Houellebecq gehört nicht zu denen, die ich besonders gerne gelesen habe. Entsprechend voreingenommen ging ich in diesen Wettbewerbsbeitrag. Und irgendwie hat es auch genervt. Man kennt die Geschichte: Zwei Brüder, der Wissenschaftler hatte noch nie Sex und der frustrierte Lehrer kann eigentlich nicht genug davon bekommen, hat aber schon Probleme, wenn seine Frau Ansätze von Cellulitis zeigt. Der Molekularbiologe wird schlussendlich von seiner Freundin aus der Kindheit zum körperlich orientierten Teil des Lebens überführt. Der Lehrer findet zwar die Liebe und den Swingerclub, verliert aber beides recht schnell und landet diesmal für immer in der Psychatrie. Roehler dichtet der Houllebecq-Geschichte ein versöhnliches Ende dazu.
Der Anfang hat mir gar nicht gefallen, ich fands auch nciht so lustig, wie offensichtlich so einige andere. Ab der Hälfte wurde ich ein wenig versöhnlicher und war am Schluss total erschlagen, von der Tragik der diversen Lebensgeschichten. Besser als gedacht, aber trotzdem nicht mein Lieblingsfilm.
Kino7/06: Big River
Japanischer Film von Funahashi Atsushi. Wunderbarer Roadmovie aus der Wüste Arizonas. Ein junger japanischer Rucksacktourist trifft auf seinem Spaziergang durch die Wüste auf einen verlassenen pakistanischen Ehemann auf der Suche nach seiner Frau. Im Bunde mit einer jungen Amerikanerin machen sich alle drei gemeinsam auf die Suche nach der Ehefrau und jeder nach sich selbst. Jeder versucht sich ein wenig am anderen anzulehnen, Halt und Hilfe zu finden. Und so werden diese drei - nicht nur ihren Kulturkreisen nach - vollkommen unterschiedlichen Menschen vor der beeindruckenden Kulisse der Wüste und des Canyons zu echten Freunden. Unendlich langsam gefilmt, passend zur unendlichen Landschaft. Sehr schön. Und zweitweise auch sehr komisch.
Kino 6/06: Ü Nergiz Biskivin - Narcissus Blossom
Kurdischer Film von M.A. Salih und H.H. Ali. Mir persönlich ein viel zu pathetisches, semidokumentarisches Stück über das Leben der Kurden in den irakischen Bergen. Wessen Geschichte eigentlich erzählt wird, ist nicht ganz klar, kein Charakter wird richtig aufgebaut. Bomben- und Schießszenen in den Bergen bestimmen den Film. Ja, es ist schlimm, was mit den Kurden passiert und es ist verständlich, wenn sie Widerstandskämpfer werden. (Bei den Dreharbeiten kamen zwei Personen in realen Gefechten ums Leben.) Aber mit pathetischen Versen, blumigen Reden und dem Lamentieren über das Unrecht, kommt man nicht sehr weit. Zumindest nicht bei mir. Schade.
Kino 5/06: Un Ami Parfait - Ein perfekter Freund
Einb Film von Francis Girod nach dem gleichnamigen Buch von Martin Suter. Spannende Geschichte über einen Journalisten, der nach einem Unfall die Erinnerungen an die vergangenen 60 Tage verloren hat. Sämtliche Freunde und Bekannte wollen ihm nicht wirklich helfen, die Ereignisse zu rekonstruieren. Also macht er sich selbst auf die Suche und recherchiert seine eigene Geschichte. Gut gemachte, spannende Geschichte, aber kein großes Kino.
Kino 4/06: Slumming
Mein erster Film auf der diesjährigen Berlinale. Und es fing gut an. Michael Glawoggers Film hat den typischen österreichisch-schwarzen Humor, den ich so mag. Vermischt mit Melancholie, echter Gemütsschwere und vielen Metaphern wurde aus dem Wettbewerbsbeitrag ein ziemlich komischer, skurriler, aber auch nachdenklicher Film. Zwei Freunde, einer ist Studentin Wien, der andere ein deutscher Sohn reicher Eltern, treffen sich regelmäßig in Wien und wohnen dort zusammen. Ihr Spaß ist es, sich gegenseitig die Lebensgeschichten der leute vorzutragen, die ihnen zufällig über den Weg laufen. Außerdem haben sie regelmäßig Verabredungen mit Mädchen, die sie über einen Internetchat kennengelernt haben. Per Handy fotografieren sie die Mädels unterm Tisch heimlich unter den Rock. Eines Abends finden sie einen völlig betrunkenen Clochard auf einer Bank vor dem Bahnhof. Sie packen den Straßenpoeten ins Auto und fahren ihn über die Grenze, um ihn vor einem slowakischen Kleinstadtbahnhof wieder abzusetzen. Ohne Papier und Geld verusucht der Mann am nächsten Tag zurück nach Wien zu gelangen. Er wird übrigens ganz wunderbar von Paulus Manker gespielt.
Eine Ansammlung verrückter Charaktere in einer zwar ein wenig unglaubwürdigen, aber immerhin lustig-rührenden Geschichte.

10 Februar 2006

Schneechaos
in Bayern und die Buchstabenpolizei auf der Berlinale. Boah.

09 Februar 2006

Kettenfragebriefbogen
Mhm. Ich hasse Kettenbriefe. Ich wiederhole: Ich HASSE Kettenbriefe. Und eigentlich ist ja so ein Blog-Fragebogen, der in der Szene auch gerne "Stöckchen zuwerfen" genannt wird, nichts anderes. Aus diesem Grund also weigere ich mich, so ein Ding auch auszufüllen und hier abzuposten. Auf der anderen Seite: Es ist mein erstes "Stöckchen". Mein aller-aller-erstes. Und vielleicht muss man das ja mal mitgemacht haben, nur ein Mal, ein einziges Mal. Und dann auch niiiiieeee wieder! Und ich werfe das Stöckchen nicht weiter. Nein. Jeder wie er will. Bitte.

Also gut und los:

Vier Jobs von früher:
Druckverteiler im Benzinbad einstellen und Verlust generieren
Beilagensalate herrichten und nicht reinspucken
Nur die kleinere Hälfte eines Krankenschwesterjobs machen aber mehr verdienen
Kinokarten abreißen und zum Kinoliebhaber avancieren

Vier Filme für immer:
Aus Entscheidungsschwierigkeiten eine Auswahl an Regisseuren:
Theo Angelopoulos
Wong Kar Wai
Andreas Dresen
Francois Truffaut

Vier Wohnorte von früher:
Hamburg
Immenstadt
Paris
München

Vier TV-Serien für die Insel:
Gilmore Girls
Tatort
Desperate Housewives
Six Feet under

Vier Urlaubsorte von früher:
Nals in Südtirol
Timmendorfer Strand
Verona
Malle und Malta

Vier Gerichte:
Fleischpflanzerl
Allgäuer Kässpatzen
Saltimbocca
Fondant au Chocolat

Vier Webseiten für täglich:
Spiegel
Kaltmamsell
BILDblog
Buchstabenpolizei natürlich

Vier Orte wo ich jetzt lieber wäre:
Paris
Sydney
Matterhorn
Mond

08 Februar 2006


Kino 3/06: Where the True Lies - Wahre Lügen
Mal wieder ein Beweis dafür, dass man Filmtitel nicht unbedingt übersetzen sollte und man von schrecklichen Plakaten nicht auf die Qualität der Filme schließen sollte. Ich bin ja ein erklärter Atom Egoyan Fan und daher war mein Besuch dieses Films vorprogrammiert. Da ich aber die Filme des kanadisch-ägyptischen Regisseures sonst sehr gerne mag, hat mich dieser zwar in keinster Weise enttäuscht, aber leider auch nicht vom Hocker gerissen. Ein gut gemachtes Stück Film. So ein bisschen hat mir das Mysteriöse der anderen Egoyan-Filme hier gefehlt. Aber das kommt eben davon, wenn man Filme mit Erwartungen anschaut.
Rundumbermerkung dazu: Kinos, die nummerierte Platzkarten vergeben, finde ich schrecklich. Ich will mir meinen Platz selbst aussuchen. Deshalb komme ich ja auch rechtzeitig. Und: Diese deutsche Abbart alles Frendsprachige synchronisieren zu müssen, statt einfach nur Untertitel dran zu kleben, geht mir auf die Nerven. Ach und: Abendschnee macht selbst den Prenzlauer Berg wunderschön.

07 Februar 2006

Ein Wetter
ist das hier gerade! Zum im Bett bleiben den ganzen Tag.
Elternbesuch
Schön im Café Einstein Promis geguckt, Kreditkarte vergessen und heiße Scholokolade getrunken, Holocaust Mahnmal gesehen, Geschäfte auf der Bergmannstraße abgeklappert, lecker Essen gewesen, Mann präsentiert und so weiter. Und schlussendlich sogar frische Türschwellen erhalten. Wow!

31 Januar 2006

Büro, Büro
Alles neu macht der Februar! Vertrag unterschrieben, Netzwerk in Planung, Telefonanschluss in Auftrag gegeben. Aufregende Zeiten.

27 Januar 2006

Fischbrötchen, ey
Es gibt diverse Dinge anzumerken zu gestern Abend:
1. Balaleika-Spieler oder andere Straßenmusiker vor der Philharmonie gehören nach einem Konzert verboten. Wofür zahlt man Geld, wenn man drei Minuten nach verlassen des Saales einen bösartigen Ohrwurm eingepflanzt bekommt, der alles zuvor Gehörte zunicht macht?!
2. Daniel Barenboims Klavierspiel gefällt nicht jedem. Mancher schreit noch vor dem Verhallen des letzten Tones "Bravo" und springt klatschend auf, andere finden sein Spiel ein wenig zu verwaschen und sind der Meinung, er müsste vielleicht ein bisschen mehr üben. Mir fiel während des Klavierkonzertes das Wohnzimmer meiner Großeltern ein.
3. Der Potsdamer Platz ist einfach schrecklich, die neuen Berlinale-Plakate aber ganz schön.
4. Bei polylux im TV outen sich Popstars, mit denen man schon mal in der Kneipe an einem Tisch saß und die einem trotz lautstarker Versprechen keine Depeche-Mode-Karten besorgen konnten , als Fischbötchenesser in "meinem Fischladen" um die Ecke. Ts. Kein Wunder, dass der Herr sich in Berlin so wohl fühlt.
5. Wenn der Heizungsreparateur kommt, muss man ganz schön früh aufstehen!
Unser Toni
A-i-l-t-o-n - o-ho. Der Badelatschenreiter ist zurück, wenn auch beim HSV. Trotzdem. Das wird mal echt eine wunderbare Rückrunde. Gleich mal Samstag mit allen in der Kneipe den Auftakt verbringen. So muss es sein.

25 Januar 2006

Solche und solche Menschen
Immer wieder interessant zu beobachten, wie sich die Menschen in der eigenen Umgebung entwickeln. Also eigentlich ist es eher erschreckend. Und traurig. Ausfällig werden lohnt sich da wohl nicht mehr. Aber vielleicht würde es Spaß machen.

24 Januar 2006


Literatur 1/06
Drachenläufer von Khaled Hosseini. Meine Mutter hatte es mir geschenkt und allerwärmstens ans Herz gelegt. Meine Schwester rief mich extra an, dass ich es lesen muss und mein Sogutwieschwager sagte, er hätte es bei der Hälfte erst mal zur Seite gelegt, weil es ihn so angegriffen habe. Ich war also in Zugzwang und äußerst skeptisch-neugierig.
Ab der Hälfte des Buches schwänzte ich einen ganzen Vormittag das Leben, nur um den Drachenläufer fertig lesen zu können, bis ich am Ende heulend am Küchentisch saß und das Buch zuklappte. Eine extrem rührende, schön zu lesende Geschichte zweier Freunde in Afghanistan. Die Lektüre führte - bizarrerweise im Gegensatz zu sämtlichen politischen Ereignissen - zum Hervorholen von Atlas und Lexikon. Oft wecken erst eigene Besuche im, oder intensive Geschichte aus einem Land mein Interesse.
Buch sehr zu empfehlen!

Topthema Kälte
Seit Herr Kachelmann die Meteorologie salongfähig gemacht hat, ist das Wetter zum akzeptierten, nicht mehr belächelten Gesprächsthema geworden. In der Vor-Kachelmann-Ära lächelte man noch hämisch über Leute, die Wetter-Small-Talk betrieben, insbesonder die älteren Zeitgenossen hatten ja oft nur dieses eine Thema. Heute ist eine Wissenschaft mit einem eigenen, neuen Wortschatz daraus geworden. Es gibt plötzlich Blitzeis statt der banalen überfrierenden Glätte - auch schon ein völlig unlogischer Begriff gewesen. Alle naselang gibt es im Herbst dringende Sturmwarnungen. und wenn das Themometer im Januar unter -5 Grad fällt, machen sämtliche TV-Sender eine Sondersendung zum Thema Kälte.
In einer Umfrage unter Menschen in einer Fußgängerzone sagte gestern in den Tagesthemen ein älterer Herr, dass er das im Moment für ganz normale Temparaturen für den Januar hält. Ja. Ganz meiner Meinung. Man könnte fast meinen, dass in den Redaktionen nur noch Jungjournalisten zwischen 18 und 22 sitzen, die bisher nur laue Winter erlebt haben. In Berlin gab es schon immer Winter mit bis zu -20 Grad und mehr. Da sind doch die aktuellen -12 geradezu lächerlich. Da zieht man sich eben mal einen Pulli mehr an, legt den Schal um und ziht die dünnen Schühchen aus und greift zu den dicken Winterstiefeln. Kann ja auch schick aussehen.
Das einzige Argument für diese Hochstilisierung einer Banalität ist die Tatsache, dass Obdachlose erfrieren. Trotz diverser Blitz-Explosiv-SpiegelTV-Reportagen haben die aber trotzdem keine ordentlichen Übernachtungsmöglichkeiten.

Die Sushisierung dieser Welt
Also wenn hier jemand Sushi liebt, dann ich. Und das schon immer! Mein Lieblingssushiladen hat ja leider vergangenen April die Pforten geschlossen und ist noch nirgendwo bisher wieder aufgetaucht. Und leider schmeckt es nirgendwo so gut, wie es dort war.
Dieser plötzliche Suhi-Asia-Manga-HelloKitty-Hype nimmt nun wirklich überhand. Aus jedem x-beliebigen Schaufenster winkt einem die angeblich glück- und geldbringende japanische Winke-Katze zu. Und seit heute gibt es auf meinem täglichen Weg ins Büro das 9. Sushi-Asia-Restaurant. Nein, es ist das 7., eins davon ist ein Steh-Imbiss. Ist der Asiate der neue Italiener? Verdrängt die "Gelbe Gefahr" sogar die Dönerbuden?
Grundsätzlich mag ich Sushi oder Thaifood auch lieber als Döner, Kebap oder Lamacun, aber diese schrecklichen Fischrollen in diesen Neu-Sushibars sind eine Pest und die Glutamat-Thai-Gerichte meist auch.
"Döner macht schöner" ist out. Jetzt heißt es "Reis macht heiß".

16 Januar 2006


Wrangel-Kiez
Die Schaufenster auf der Wrangelstraße sind doch immer wieder für einen Lacher gut. Wie praktisch, dass das neue Handy des Mannes eine schicke Digitalkamera in sich drin hat.
Besonders schick übrigens auch dieser Aschenbecher...
Schönes Wochenende
Freitag Abend noch wunderbar ein Ravel-Stück und das schönste klassische Stück überhaupt, Franz Schuberts "Der Tod und das Mädchen", im Konzert gehört. Interpretiert von Schülern der Hanns-Eisler-Musikhochschule, alle zwischen 1979 und 1984 geboren.... Ganz wunderbar gespielt, die Jungspunde!
Samstags in aller Ruhe mit dem Mann auf dem Flohmarkt gewesen und ihm beim Nach-Hause-Tragen einer besonders schicken Telefunken-Anlage geholfen. Erst mal steht die jetzt bei mir! Macht sich ziemlich gut auf dem Regal. Dann noch schön in der Fressabteilung von Karstadt geshoppt und einen gemütlichen Abend mit Besuch in der Küche verbracht. Neue Geschichten von Brandenburger Jungdelinquenten gehört und Histörchen von den Urgroßeltern aufgetischt. Dazu gabs den Monstertopf Gemüsesuppe.
Sonntags die Wohnung auf Vordermann gebracht, zwischendurch den Mann arbeiten geschickt, ein wenig gelesen und später ins Kino gegangen und dann noch ein lecker Weinchen im Würgeengel eingenommen.
Schönes Wochenende gewesen....

Kino 2/06: Match Point
Sonntag Abend den neuen Woody Allen gesehen. Erst ein wenig enttäuscht gewesen, zum Teil recht vorhersehbar, dann aber doch noch ein bisschen spannend. Der sonst so schöne Woody-Allen-Sarkasmus fehlte hier völlig, wie der Mann und ich fanden. Allerdings im Großen und Ganzen doch eine schöne Parabel auf das Glück im Leben und was ein Dauerglückspilz von all seinem Glück hat. Außer den perfekten äußeren Umständen nicht besonders viel, offensichtlich.
Auch wenn sich die Kritiken überschlugen vor Freude, ich fand, man kann den gut sehen, aber ein absolutes Muss ist der Film nicht.
Today is Martin-Luther-King-Day

11 Januar 2006

Hingehen
Wo man überall hingehen kann...
- vor die Hunde
- dahin wo der Pfeffer wächst
- dahin wo man her kommt
- unter Freunde
- zu den Assis
- dahin wo man hin gehört
- auf den Balkon
- eine rauchen
- raus
- in den Keller zum Lachen
- einfach nur einen Kaffee trinken

10 Januar 2006

Schlechte DJs
Warum können Nazis nie richtig gute DJs werden? Weil sie den Unterschied zwischen 33 und 45 nicht kapieren.
Rachemaus
Mr. Mares, sehr verärgert über eine Maus in seinem Haus, warf das arme Ding in einen brennenden Laubhaufen in seinem Garten. Die Maus, nicht blöd, rannte, schon am eigenen Fell brennend, in das Haus zurück. Haus abgebrannt, Mr. Mares jetzt im Motel, kleine Maus mit Haus verbrannt. Schlimme Sache, das.
via Süddeutsche Zeitung

09 Januar 2006


Kino 1/06: Sommer vorm Balkon
Sonntags in "Sommer vorm Balkon" von Andreas Dresen gewesen. So fängt das Kinojahr richtig an. Ich mochte ja sämtliche Dresen-Filme (Die Polizistin, Halbe Treppe etc.) bisher. und zum Glück fällt auch dieser nicht aus der Reihe. Alles was man dazu wissen muss, steht bei Anke Gröner, die endlich mal meiner Meinung ist, was einen Film betrifft. Ansonten fiel mir auf, dass Sonntag Frühabend mehr ältere Leute ins Kino gehen als um 20 Uhr, Kälte förderlich für Kinobetreiber ist, das Berliner Publikum doch besser erzogen ist als das Allgäuer. Womöglich lag alles aber auch nur am Film.
Danke Herr Dresen.

06 Januar 2006

Verwechslung
Fahrrad abschließen, Schlüssel zücken, auf Bürotür zumarschieren. Sagt der Drogi vorm Lidl zu mir: "Ey, kenn ick dich nich vom Bahnhof Zoo?"

Kaspar, Melchior und Balthasar
Auch wenn man nur noch an der im morgendlichen Breifkasten fehlenden bayerischen Zeitung merkt, dass es andernorts ein Feiertag ist: Heut ist Heilig Drei König. Naja, Könige waren es ja erwiesenermaßen nicht, sondern Weise aus dem Morgenland. Islamwissenschaftler quasi. das sollten die heute mal probieren: Mit Gold, Weihrauch und Mhyrre als Islamwissenschaftler irgendwo hin reisen. Die würden bestimmt nicht mal mehr in eine Scheune reingelassen werden vor lauter Bomben- und Kinderschänderangst.
Die Sternsinger dürfen heute nur noch in Begleitung eines Erwachsenen von Tür zu Tür ziehen. Da haben verständlicherweise die Jugendlichen keinen Bock drauf und die Erwachsenen übrigens auch nicht.
BVG im Pelz
Eben die coolste U-Bahn-Schaffnerin gesehen, die Berlin zu bieten hat: Eine grell geschminkte Dame mit kuzem Uniformröckchen, hohen Stiefeln, einem echten Fuchs um die Schultern, hinten über dem Uniformjäckchen baumelten die Pfoten, lange blondierte, gesträhnte und auf Dauer gewellte Haare. Und als dann die Bahn nicht mehr fuhr, fluchte sie in einer nicht zu erwartend weiblichen Stimmlage.
Affenkalt, grau und windig heute, aber trotzdem ein lustiger Tag bisher.
Selig sind die, die geben
Schön, dass es sich auch mal bestätigt. Manchmal springt eben doch ein besser bezahlter kleiner Zusatzjob heraus, wenn man gegen jeden Sinn und Verstand eine Weile für ein Minitaschengeld gearbeitet hat.

05 Januar 2006

Die Freunde meiner Freunde
Nein, sie müssen mir nicht gefallen, die Freunde meiner Freunde. Jeder darf ein paar bizarre, anderen unsympathische Menschen im Freundeskreis haben. Da bin ich tolerant. Schwer wird's allerdings, wenn diese Freunde meiner Freunde irgendwann immer zusammen mit meinen Freunden auftauchen. Besonders extrem natürlich im Falle von Angetrauten.
Erst unlängst musste ich diese Erfahrung wieder machen. Er ist ein langer, guter Freund von mir. Ihn mochte ich immer sehr, seine Freundinnen fand ich schon immer - naja - langweilig, anstrengend. Seit seiner Hochzeit hat sich das leider nicht verbessert. Die Frau meines Freundes ist gelinde gesagt zum auf den Mond schießen. Ja, man denkt sich "einen Abend werd ich's schon aushalten, so blöd kann sie ja gar nicht sein", doch bei jedem Treffen wird man eines Besseren belehrt.
Zitate:
"Also ich finde ja, wenn es um Kinderschänder geht, könnte man schon mal überlegen, die Todesstrafe in Deutschland wieder einzuführen." (Es ging um Strafe im juristischen Sinne)
"Die 75-Jährigen von heute wollen ja einfach nicht mehr sterben. Stopfen diese ganzen Medikamente in sich hinein, statt einfach mal los zu lassen. Früher hatte man die Medizin ja auch noch nicht, da sind die Menschen früher gestorben." (Es ging um die Zukunft der Pflegeversicherung)
"Gibt es hier ein Café wo nicht geraucht wird? Nein? Also ich geh dann halt so lange spazieren, wenn ihr hier noch was trinken wollt. Ist nicht schlimm. Ich kannn das nur gerade gar nicht ertragen, dass geraucht wird. Weißt du, ich bin schwanger..." (Bei der Erörterung des gesehenen Filmes und der Lokalität in der man noch was trinken könnte. Man fuhr dann übrigens ins traute Heim.)
Nein. Ich muss die Freunde meiner Freunde nicht mögen. Ich will sie einfach nur nie wieder ertragen müssen. Nie. Bitte.

Nackte Welt
Wie geil ist das bitte! Statt kalten, dürftig bekleideten bis warme, nackte Damen mal was politisch Korrektes mit dieser eigenartigen Wärmetechnik.
Via Riesenmaschine. Da sieht man auch, wie es sich verändert....
Licht, Licht, Licht
Ich brauche Licht! Vielleicht eine Sonnentherapie. Oder ins Solarium?

02 Januar 2006

HAPPY BIRTHDAY
Sister D. Nur das Beste für Sie!
Das fängt ja gut an
... das neue Jahr. Waren die ersten 24 Stunden noch ganz wunderbar, beginnt der Arbeitsalltag mit Stress. Erst mal alle wichtigen Utensilien zu Hause vergessen - naja, kann ja mal vorkommen. Aber dann ist hier gleich wieder Geschrei! Dieses meine Büro muss ein anderes werden. Dringend! Das Gute daran: Es wird sich viel ändern. Und das ist ja ganz spannend.
Ein gutes neues Jahr, allen!

29 Dezember 2005

Bollywood
Neee, kannste mich ja jagen mit dem Gesäusel. Und wenn manche Blogger meinen, Amelie wäre Mädchenkacke, dann frage ich mich, was ist dann bitte Bollywood? Beides schlimmster Mädchenkram, aber Bollywood ist nicht zu überbieten.
Unlängst erschreckend erhellendes Erlebnis in München gehabt:
In Begleitung einer Freundin suchte ich einen Asia-Supermarkt auf, also einen dieser Läden, in denen es Palmzucker, Reis, Kokusnussmilch, Chilischoten, Buddhastatuen, Räucherstäbchen und YamYam Suppen gibt. Wir waren wegen der Kokusnussmilch und diversen anderen exotischen Nahrungsmitteln anwesend. Dieser Laden hatte neben all den bizarrem Gemüse auch Musik und Poster. Offensichtlich scheint sich das junge, weibliche Gemüse an indischer Musik zu erfreuen. Was mir das Trommelfell unangenehm erzittern lässt, führt bei den Mädels zu Begeisterungsstürmen. Vier von ihnen, im Laden anwesend, wählten Weihnachtsgeschenke unter den Jaul-CDs aus - und sie schinen sich richtig auszukennen! Die zungenbrecherischen namen gingen ihnen fließend über die Lippen. Zusätzlich suchte man sich Schmuck, passend zu Sari heraus: "Andrea welche Farbe hat dein Sari gleich wieder?" Zum Schluss blätterte man durch die Poster der indischen Sangesstars. Hier passte allerdings westeuropäisches Fanverhalten nicht ganz zur indischen Züchtigkeit - dass die Jungs mit den schmachtenden Blicken so viel an hatten, stieß auf Unverständnis.
Wir kauften viel für die thailändische Suppe ein und gingen verwundert wieder auf die bayerischen Straßen.

20 Dezember 2005

Driving Home for Christmas
Es ist so weit. Das Christkind naht, und ich mache mich auf den Weg nach Betlehem. Nächste Nachrichten kommen aus der Schneeburg oder aus dem Internetcafé neben der Krippe.
Wann man diese Weihnachts-Heimfahr-Tradition wohl mal ablegt?
Sämtliche Dean-Martin-Weihnachtssongs im Kopf.

16 Dezember 2005

Huibuh!
Ich glaube, die Kommentarfunktion geht jetzt endlich. Mal ausprobieren bitte alle.

Brot und Schoko
Mein erstes pain au chocolat werde ich nie vergessen. Ich war mit dem Schüleraustausch in der 10. Klasse eine Woche in Frankreich. Anne hieß meine Austauschpartnerin bei deren Familie ich wohnte. Sie hatte zwei große Brüder, in den jüngeren der beiden hatte ich mich sofort unsterblich verliebt, und eine kleine Schwester. Zum Abendessen gab es Hähnchen, Bohnen und Chips und ich dachte nur, das kann nicht wahr sein: keine Soße, alles trocken, erzähl mir einer noch was von der guten französischen Küche. Am Tisch verstand ich rein gar nichts. Alle unterhielten sich in einer solchen Geschwindigkeit, dass mir die einfachsten Wörter nichts sagten.
Das Wort poubelle lernte ich dort und wunderte mich sehr, dass man in der Schule ein solch essentielles Wort wie Abfalleimer nicht gelernt hatte. Eines Tages fand ich einen Zettel in der Küche "on est allé chercher Anne à l'ecole". Wow, klang das vornehm: Man ist Anne in der Schule abholen gegangen. Das roch förmlich nach Dienstboten. Danach war es allerdings weniger elegant. Den Eltern der armen Anne war nämlich gerade eröffnet worden, dass ihre Tochter das Klassenziel wohl nicht erreichen wird. Drame enorme. Die Eltern waren sauer, Anne heulte, und ich konnte sie kaum trösten - mit welchen Worten auch? Poubelle wäre nicht so angebracht gewesen. Dabei verstand ich sie so gut, schließlich war ich auch nie Klassenbeste gewesen.
Am letzten Tag fuhren wir mit der Mutter in den Supermarkt. Hypermarché. Wie lächerlich da unsere Super-Märkte plötzlich wirkten. Aber klar, la Grande Nation musste gigantische Märkte mit Superlativnamen haben, sonst wär's ja nicht la Grande Nation gewesen. Am Ausgang war ein kleiner Bäckerstand und la maman kaufte uns allen ein pain au chocolat. Es war noch warm. Und ich hatte mein erstes kulinarisches Erlebnis der besonderen Art. So begeistert war ich, dass ich gleich sechs weitere kaufte, um sie mit nach Hause zu bringen. Meine Familie musste das probieren. So etwas Leckeres hatte ich im Leben noch nicht gegessen. Zu Hause steckte ich die pains kurz in den Ofen und es war, wie sowas immer ist: lange nicht so gut wie vor Ort. Und seitdem habe ich nie wieder so ein gutes pain au chocolat gegessen.
Jahresendzeitlisten
Herr Hacke macht ja in seiner Kolumne im SZ-Magazin nun auch was zu dieser Listenmanie. Mit Nick Hornby fing es an und seitdem versucht jeder Mann in meiner näheren Umgebung gegen Ende das Jahres, gerne aber auch mal zwischendurch, ein Liste der 10 besten Wasauchimmer aufzustellen. Und meist muss man irgendwie mitmachen. "Nun sag doch mal, was sind deine 10 Lieblingsfilme?", "Los komm, die 10 besten Songs über Fußball." Es nimmt kein Ende. Listenzwang. Ein äußerst männliches Ding. Bisher musste ich mit keiner Frau so ein Gespräch führen.
Ich könnte ja mal die 5 besten Restaurants, in denen ich schon gegessen habe, aufzählen. Aber was bringt das? Kennt doch außer mir eh keiner. Und wenn ich was darüber erzählen will, mache ich das lieber ohne Liste.
Gestern Abend im Cochon Bourgeois gewesen. Extremst lecker. Nur zu empfehlen!

15 Dezember 2005

Longtemps je me suis levé du bonne heure
Es regnet, man braucht einen Schirm. Der Wind weht, man kann keinen Schirm benutzen. Es ist kalt. Ich kaufe mir einen Milchkaffee auf dem Weg zur Arbeit. Der Morgen ist schon besser.
Mal wieder U-Bahn fahren, wenns auch nur zwei Stationen sind. Das denken sich alle, riesige Schlange vor dem Fahrkartenautomaten, der Kiosk verkauft seit vier Wochen keine BVG-Tickets mehr.
Ich steige in die Bahn. Neben mir ein Kreuzberger: Kapuzenpulli, alte Stahlkappenstiefel, Ring im Ohr, schlecht rasiert. Und dann zieht er ein Buch raus. Es ist Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Und er schlägt es kurz vor der Mitte auf und liest weiter.
Ich freue mich wie ein Schneekönig. Der Tag ist gerettet. Der junge Mann mein Held des Tages.

14 Dezember 2005

Weihnachtsarbeitsstress
Warum erreicht einen der dickste Arbeitsstress eigentlich genau in den zwei letzten Wochen vor den Festtagen? Da wollte ich alles in Ruhe erledigen und schön durch die Geschäfte bummeln - und jetzt sitze ich von früh bis spät vor dem Bildschirm. Irgendwas stimmt da nicht. Wahrscheinlich wollte das Christkind sicher stellen, dass ich die Geschenke auch alle bezahlen kann. Na, das hat wenigstens funktioniert.

12 Dezember 2005

HAPPY BIRTHDAY
Alles Gute Herr Blank! Ich wünsch Ihnen ein paar extra chairs und ein Elvis-Denkmal. Bis heute Abend im Zimmer bei Burger, Burrito und Bier.
Weihnachtsmärktisch
Sonntags mal über einen Weihnachtsmarkt geschlendert. War ja ein bisschen skeptisch, weil der Berliner kann zwar viel, aber Weihnachtsstimmung kann er überhaupt gar nicht erzeugen. Am Alexanderplatz etwa ist der Weihnachtsmarkt eher ein Rummel und auch an der Gedächtniskirche am Kudamm lässt das Weihnachtliche sehr zu wünschen übrig. Doch ich wurde positiv überrascht. Netter kleiner Markt, der ganz ordentliche Stände hat, lecker Bioglühwein für 2 Euro, heißer Apfelsaft mit Calvadosschuss und an jeder Ecke ein paar Privatpersonen die musizieren. Irgendwie alles recht kitschig aber schön.

09 Dezember 2005

Neulich bei Lidl
Es war der Tag vor Nikolaus. Jeder versuchte noch schnell eine Kleinigkeit für die braven Kindlein zu bekommen. Ich brauchte dringen einen Joghurt und ein bisschen Schokolade. Schon beim Betreten des Ladens schallte ein fröhlich-lautes "Scha-atz, übertreibs nich. Echt. Scheiß aufs Geld ey, darum gehts mir nich, aber einfach nich übertreibn. Ey und Tomatensoße ham wa noch" von einem dürren Junkie entgegen.
Seit der Plus gegenüber geschlossen hat, ist es bei Lidl manchmal noch lustiger. Diesmal waren also drei Junkies am Einkaufen und alle durften dran teilhaben. Schatz, die Freundin desjenigen dem es nicht ums geld ging, wollte offensichtlich ein Nikolausgeschenk für das Kind eines Freundes. Gar nicht so einfach. Sollte man den in Silberpapier nehmen oder den in der durchsichtigen Zellophanhülle? Nach ausführlicher Diskussion über sämtliche Regale und Kassen hinweg beschloss man gemeinsam, den mit der durchsichtigenVerpackung zu nehmen - sieht man ja auch viel schöner gleich, was drin ist. Doch Schatz wollte den Kleinen so richtig verwöhnen und griff noch mal ordentlich bei den anderen Süßigkeiten zu. Es entspann sich eine Diskussion über die Tatsache, ob man Kindern überhaupt so viel schenken sollte, nicht dass sie sich dran gewöhnen und dann verzogen werden. Immer mit der Betonung darauf, dass es hierbei ja nicht ums Geld ginge, sondern ums Prinzip.
Schatz setzte sich jedenfalls durch, schließlich sei Nikolaus nur einmal im Jahr, und wanderte zur Kasse, wo ihr Freund schon wartet. Man unterhielt sich weiter. Die gesamte Beleg- und Kundschaft wurde unterhalten, es war aufregend.
Man kam vom Einen ins Andere und landete schließlich beim Thema Spielzeug. Da gäbe es doch dieses eine Spiel, man wüsste schon welches, das könnte man eventuell zu Weihnachten schenken, sei ja auch als besonders pädagogisch wertvoll bekannt. Überhaupt seien pädagogisch wertvolle Spiele total wichtig für Kinder, den anderen Quatsch sollte man gar nicht erst kaufen.

Die Vermutung liegt nah, dass es den Kindern von Junkies manchmal besser geht als anderen. Immerhin machen sich deren Eltern wirklich Gedanken!

08 Dezember 2005


Traditionswechsel
Ich weiß nicht, wieviel Mal in diesem Jahr rund um die Feiertage "Drei Nüsse für Aschenbrödel" im Fernsehen läuft. Sämtliche dritte Programme zeigen den Film mindestens zwei Mal, der WDR etwa an Heiligabend Nachmittag und Abend, die anderen Sender am 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag. Meine Schwester wird sich ein Loch in den Bauch freuen und mit ihren Freundinnen vor der Glotze hängen und Kekse futtern. Ich setze mich sicherlich dazu, kann dem Ganzen aber weniger abgewinnen.
Meine Erinnerungen sind andere. Für mich symbolisiert "Das fliegende Klassenzimmer", in der Verfilmung von 1954. Das ist die früheste Weihnachtskindheitserinnerung. Später kam dann die Verfilung aus den 70ern mit Blacky Fuchsberger dazu.
Als Kinder wurden wir am frühen Nachmittag raus in den Schnee zum Spielen geschickt. Dick eingepackt in Daunenanzügen, Wollstrumpfhosen, Moonboots und häßlichen Mützen bauten wir Schneemänner, Iglus oder führen Schlitten. Bis Fernsehzeit war. Dann gings schnell nach Hause. Stiefel aus, die Füße ganz klamm und nass von den undichten Schuhen, in Strumpfhosen und mit Kissen vor dem Gesicht durchs Wohnzimmer, wo schon das Christkind zu Gange war und den Baum schmückte, ins Kinderzimmer wo an diesem Tag ausnahmsweise der Fernseher stand. Und dann kloppten sich die Jungs vom Gymnasium mit denen von der Realschule, ein Gymansiast wurde gekidnappt, einer hing im Papierkorb im Klassenzimmer und sprang später aus dem Fenster. Gott sei Dank überlebte er. Und dann kam das Christkind mit der neuen Puppe unterm Arm oder dem Playmobil-Schiff.
Heute reitet das niedlich-weibliche Aschnputtel über den Bildschirm und ich habe plötzlich eine neue Tradition vor der Bescherung, die mehr mit meiner Schwester zu tun hat als mit unserer Kindheit.

07 Dezember 2005

Sie hat ja so recht
Frau Wortschnittchen hat eine neue Arbeit gefunden und schreibt über die Zeit davor. Und ich kann ihr ja nur soooo recht geben. Nach wie vor bin ich ja der Meinung, dass das Arbeitsamt - pardon, die Agentur für Arbeit - eher Psychologen als Arbeitsberater beschäftigen sollte. Wo keine Arbeit ist, kann auch kein Berater eine schaffen.
Heute Morgen hörte ich von einem gerade gekündigten Freund eine neue Arbeitsagentur-Geschichte. Er ist priviligiert, erst seit einer Woche arbeitslos. ALG I, Vor-Hartz quasi. Die Form seiner Schlange zur Meldung in die Arbeitslosigkeit, erzählte er mir aufgeregt am Telefon, war mit einer Schnur vorgegeben. Vor dem Schalter war ein dickes Schild: "Diskretion! Bitte Abstand halten." Vier Schalter waren geöffnet, für die Neuen, möglicherweise schnell wieder Vermittelbaren. Nebenan drängten sich die Untermenschen. Keine Seile zur Begrenzung einer Schlange, keine Diskretionsschilder. "ALG II - Hartz IV" stand über dem einen Schalter, davor die Empfänger-Traube.
"Ich fand das so entwürdigend!" Schimpfte mein Freund. Die Dame hinter dem Schreibtisch verstand sein Problem mit der unwürdigen Behandlung der "Anderen" nicht. "Bisher hat noch niemand etwas gesagt", waren ihre Worte.
Es würde mich nicht wundern, wenn so mancher Hartz IV Empfänger nach einem Besuch bei der freundlichen Agentur für nichtvorhandene Arbeit direkt Psychopharmaka einwirft.

06 Dezember 2005

Scheiß Tod
Gestern ist die Ersatz-Zusatz-Omi gestorben. Sie war schon sehr alt und fast bis zum Schluß ziemlich fit und trotzdem ist es traurig. Sie war so lieb. Alles Gute, Omi! Und grüß mir die anderen.

Osterhasi - Nikolausi III
Meine Familie ist nicht ganz normal, könnte man sagen. Zu Ostern werden gerne Osternester versteckt und am Nikolaustag steht ein Sack vom Nikolaus vor der Haustür.
Abends sitzt man gemütlich auf dem Sofa. Wenn es richtig dunkel ist, verschwindet meine Mutter kurz. Plötzlich hört man es draußen auf den Treppen poltern und gegen die Tür donnern. Muttern kommt aufgeregt wieder ins Wohnzimmer und fragt: Habt ihr es auch gehört? Ich glaube der Nikolaus war da! Ich gehe mal schauen.
Und dann kommt sie mit dem Sack wieder. Nüsse sind darin und Mandarinen, Äpfel und für jeden ein kleines Geschenk. Handschuhe, Socken oder ein Buch. Alle grinsen vor sich hin und Mama freut sich.
Eigentlich verwunderlich, dass sie das Adventskalenderbasteln nur noch unter Protest macht.

Osterhasi - Nikolausi II
Traditionell feierten wir den Nikolaustag bei meinen Großeltern im Oberbayerischen. Das war ein Fest! Drei Stunden Autofahrt nur für den Geschenkesack. Einmal schneite es so heftig, dass wir seinen Auftritt verpassten, was für uns Kinder ziemlich traurig war.
Der Nikolaus meiner Großeltern fuhr jahrelang in einem hellblauen VW-Käfer vor. Gesehen habe ich das natürlich nur zufällig einmal. Er trug die Tracht eines Bischofs, hatten den obligatorischen Bischhofsstab, einen weißen Bart und ein großes, goldenes Buch dabei, indem alles vermerkt war, was wir Enkelkinder in diesem Jahr gut und schlecht gemacht hatten.
Jeder musste einzeln vortreten und dem Nikolaus ein Gedicht aufsagen, ein Lied singen oder auf seinem Instrument etwas vortragen. Dann wurde geurteilt: In der Schule könntest du dich ruhig ein bisschen mehr anstrengen und zu den Eltern solltest du im nächsten Jahr auch lieber sein und deine Schwester sollst du nicht ärgern, sie ist doch viel kleiner als du! Aber ein Geschenk zog er dann doch immer aus seinem großen Sack. Und Kekse und Mandarinen und Nüsse. Äußerst demokratisch mussten übrigens auch sämtliche Eltern und Großeltern vortreten.
Mein kleiner Cousin hatte sich einmal unter dem Tisch versteckt und wollte partout nicht vor den Nikolaus treten. Er hatte wohl Angst besonders gescholten zu werden, weil er vorher frech gewesen war.
Diekleine Cousine musste einmal während der Zeremonie dringen aufs Klo. Kaum war sie zur Tür raus, schrie sie entsetzlich laut auf. Draußen saß der Knecht Ruprecht, wärmte sich bei einer Tasse Kaffee und wartete bis sein Boss das goldene Buch zuklappte. Bei den Großeltern durfte der Krampus nämlich nie ins Zimmer. Er sah einfach zu furchteinflößend aus und Nikolaus war doch ein schöner Tag. Doch diesmal hatte ausgerechnet die Kleinste ihn entdeckt. Sie war kaum zu beruhigen, dabei versuchte der arme Mann jetzt erst recht besonders nett zu ihr zu sein. Der Nikolaustag war für das Cousinchen verdorben.
Viel später erfuhr ich, dass der Nikolaus vom ortsansässigen Pfarrer gespielt wurde und der Krampus von seinem Messdiener. Alte Fotos belegen, wie erfürchtig wir immer vor dem Nikolaus standen.

Osterhasi - Nikolausi I
Der Nikolaustag war schon in frühester Kindheit etwas ganz Besonderes. Viel aufregender als Weihnachten eigentlich. Mein erstes Nikolauserlebnis hatte ich in meiner Dorfgrundschule.
Der Nikolaus kam mitsamt seinem Knecht Ruprecht, der ja immer besonders furchteinflößend aussah, in die Klasse. Jeder einzelne Schüler wurde aufgerufen und abgeurteilt. Kann das Einmaleins - brav. Führt sein Heft nicht ordentlich - böse. Und da, zack, gab es einen Hieb, erteilt von Knecht Ruprecht, auch Krampus genannt, mit seiner Rute.
Endlich durfte man die Kinder mal ordentlich züchtigen. Meinem damaligen Grundschullehrer, der übrigens mit Vorliebe die Judenvernichtung negierte, bereits mit 18 geheiratet und sieben Kinder in die Welt gesetzt hatte, gefiel das bestimmt ziemlich gut. Da er seine Schüler zu dieser Zeit schon nicht mehr verprügeln durfte, begnügte er sich mit Ohren langziehen. Sämtliche Mädchen der Klasse warteten daraufhin nicht bis zu ihrem Erstkommunionstag mit dem Stechenlassen von Ohrringen. Man wusste sich zu helfen als Mädchen.
Die Jungs hatten es schwerer. Zumal sie ja auch viel umtriebiger, also unruhiger waren, wurden sie viel öfter bestraft. Und als in der zweiten Klasse der Nikolaus kam, wurde einer von ihnen, ein besonders zappeliger, tatsächlich in den Sack von Knecht Ruprecht gesteckt, der dann mitsamt Kind im Sack aus der Schule ging.
Ich kannte diesen Jungen gut. Er wohnte in der Nachbarschaft und hat mir immer die Titelmelodie von Bonanza vorgesungen - außerdem wollten wir später mal heiraten. Der Arme hatte es zu Hause nicht leicht: Beide Eltern mussten den ganzen Tag in einem mehrere Kilometer entfernten Dorf arbeiten und er war immer noch Bettnässer, was ihm bereits viel Spott im Kindergarten und dann auch in der Schule eingebracht hatte.
Was schlussendlich die Verschleppung im Sack durch einen wild verkleideten Mann ohne Gesicht mit ihm machte, kann ich nicht beurteilen. Er ist nach der zweiten Klasse umgezogen und ich habe ihn nie wieder gesehen.
Kinderfolter war das und mir gefiel es damals schon nicht.
Oh Mann
Es wird immer schlimmer hier. Brauche dringend neue Räume!

05 Dezember 2005

Morgen
kommt der Nikolausi. Übrigens!
Älter sein
Ich sehe zwar fast 10 Jahre jünger aus, bin aber eigentlich 0,8 Jahre älter. Sagt zumindest der Focus-Test zum wahren Alter. Vielleicht sollte ich mehr Obst essen und mehr Sport machen. Ein zufriedenes Liebesleben macht übrigens um Einiges jünger!
Alles wie immer
Die davor habens schon gewusst und nix gesagt und jetzt soll das so weiter gehen. Ruhig mal angebliche Terroristen, in jedem Fall Menschen, irgendwohin karren und foltern. So macht man das heutzutage. Anders gehts halt nicht. Und machmal muss man eben den Mund halten.
Gute Nacht Welt.
Weihnachten gegen Geburtstag
Kaum hat man den Geburtstagsstress des Mannes überwunden, Torten gebacken und verzehrt, Geschenke fabriziert und überreicht, Menüfolgen überlegt und in die Tat umgesetzt, da muss man alles gegen die Weihnachtsgedanken eintauschen. Was für wen und wann das alles besorgen?
Am liebsten mache ich ja Themenweihnachtsgeschenke. Diese durchdachte Idee erkennt natürlich außer mir niemand. Im vergangenen Jahr war es Schönheit, davor Taschen. Jeder bekommt was anderes, aber alles lässt sich dem gewählten Thema unterordnen. erleichtert die Kaufentscheidungen ungemein.
Für diese Jahr habe ich noch keinen Überbegriff gefunden. Aber wie wär es mal mit "Essen"? Oder Hören, oder Geschichte, oder Gesundheit, oder....
Ich muss noch ein bisschen nachdenken.
Selbstwahrnehmung
Die besten Fotos von mir mache ich ja immer selbst. Bleibt mir ein Rätsel.

02 Dezember 2005

2006
Diverse Veränderungen kündigen sich an für das nächste Jahr. Das Leben umkrempeln. Macht ein bisschen Angst, die kommende Seriösität.

01 Dezember 2005


Lichtermeer
Jaja, ich weiß. Es ist total übertrieben, richtig schön ist es auch nicht und eigentlich ein bisschen krank. Aber irgendwie ist es doch ganz toll. Und alle freuen sich wenn sie so viele Lichtlein in den Fenstern leuchten sehen, und wenn man deswegen lacht, weil man sich drüber lustig macht. Ja. Ich habe auch zwei drei Lichterketten im Fenster. Die sind aber weiß und blinken nicht und haben keine besondere, weihnachtliche Form angenommen.

Bild von hier.

Alki plus Drogi plus Hunde
Plü am Eck hier hat zugemacht, weil sie einen besseren und größeren 1km weiter aufgemacht haben. Jetzt hängen die Alkis von Plü zusammen mit denen von Lidl hier unten bei Lidl vor der Tür rum. Gegenüber werden die Kühlregale rausgetragen. Wo die Verkäuferinnen von Plü jetzt wohl sind? Auf dem Arbeitsamt? Bald auch vor Lidl?
Und was kommt jetzt in den traditionsreichen weil ehemals 1.Mai-Plünder-Bolle rein? Und war das Absicht den zu schließen, weil auf dem Oranienplatz ganz viele kleine Pflastersteine verlegt wurden, die jetzt kein Ziel mehr haben dürfen?
Freie Marktwirtschaft und Quartiersmanagement geben einem Anarbeiter viele Rätsel auf.

Sonne
Ein perfekter Wintertag heute: Strahlender Sonnenschein, schön kalt. Fehlt eigentlich nur der Schnee. Und ein Berg zum Skifahren.

Danke Weihnachtsfrau!
Nachdem ich lange genug meiner Frau Mutter die Ohren vollgejammert hatte, dass ich auch in diesem Jahr einen Adventskalender brauche, um in echte Weihnachtsstimmung zu kommen und damit einigermaßenj erträglich zu den Festtagen zu sein, hat sie sich meiner erbarmt. In dem großen schweren paket war tatsächlich ein selbstgebastelter Adventskalender, samt einem klieinen Nikolausgeschenk, Lebkuchen, Nüssen, Schokolade und ersten Weihnachtsplätzchen.
Ich glaube in diesem Jahr habe ich schon vier Wochen vor Weihnachten echte Weihnachtsstimmung. Schön! Liegt wohl auch daran, dass ich selbst mal wieder einen Adventskalender herstellen und verschenken konnte. Schenken macht das Leben gut. Irgendwie.