08 August 2006


Die Mission zum Detail

Sehr weit reicht das finnische Kulturgedächtnis nicht zurück. In den 50ern setzt die Wahrnehmung erst so richtig ein. Damals wurde der Architekt und Designer Alvar Aalto auch im Ausland bekannt und somit zum Nationalhelden. Mit ihm und nach ihm kamen weitere Designer. Die Tradition war schnell begründet. Wirkkala, Sarpaneva. Wer in Finnland was auf sich hielt wurde Designer. Da man in Finnland jedoch grundsätzlich nicht viel auf sich halten darf, wurden die meisten Namen lange nicht so bekannt wie der Aaltos. Doch heute hat man sich von den alten Fesseln befreit. Finnnisches Design ist wieder wer. Bekannt sind nicht nur Stefan Lindfors, sondern auch Harri Koskinen, Illka Suppanen und Mikko Paakkanen.

Klar wurde auf der Reise, dass die Japaner auf finnisches Design stehen, dass jeder Finne mindestens ein bekanntes finnisches Designobjekt zu Hause hat oder darauf spart, dass Finnen gerne auf Messen gehen, bei denen man sich ganze Häuser und neue Dörfer anschauen kann, dass die Aalto-Vase nach wie vor, bzw. wieder ein Bestseller ist, dass es jede Menge gute, junge finnische Modedesigner/innnen gibt, dass man sich in den Designshops und bei Marimekko arm shoppen kann und dass Finnen eben Finnen sind und bleiben - selbst dem angesagtesten Designer gefällt seine Axt als Objekt am besten.

Zudem muss festgestellt werden, dass Essengehen extrem teuer ist in Helsinki (über die Ausgaben im Savoy, dem Restaurant, das Aalto in den 50ern komplett eingerichtet hat und das seitdem nicht verändert wurde, kann man nur Stillschweigen bewahren), der Besuch auf dem Markt ist jedoch weit billiger und eröffnet dazu ganz besondere Gaumenfreuden: zuckersüße Erdbeeren, leckeren Fisch, herrliche Kartoffeln und Erbsenschoten als Snack. Dringend abzuraten ist von dem Genuss eines Fischbrotes am Hafen, da die Möwen dreistesten Mundraub begehen.

Äußerst charmant ist der sozialistische Touch der Stadt, was ihr Aussehen betrifft, ebenso die vollkommen unverständliche Sprache und die äußerst angenehme Lage am Meer.

Wollte ich früher unbedingt nach Paris ziehen, könnte ich mir jetzt ein Leben in Helsinki gut vorstellen. Es gibt jede Menge Kneipen, eine schöne Innenstadt, immer eine Sauna und der Winter kann auch nicht so viel schlimmer sein als bei uns.

Bild: Aaltos damals revolutionären Tische mit dem gebogenen Holz aus dem Savoy

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